32 Stunden

So lang saß ich wenn mans mal zusammenrechnet in den letzten zwei Wochen im Bus. In Deutschland für mich nahezu unvorstellbar, da war man schon geschafft nach 2/3 Stunden Fahrt mit dem Zug, aber hier gar nicht soo das große Problem 🙂

Vor zwei Wochen ging es für mich in der Midterm Break nach Singida. Ich wollte Freitag nochmal in die Schule zum school-closing gehen und mich dann ausgeruht Samstags auf die 12stündige Fahrt machen. Naja es kommt wie immer alles ein bisschen anders als man denkt.. Also ging es spontan Freitag abend für mich zu einer Wedding Send-Off. Hier wird die Braut (Mitarbeiterin von Tayodea) von ihrer Familie verabschiedet und es wird gefeiert, gegessen und Geschenke werden übergeben (danach hat sie einen kompletten Hausstand). Von David und Theresia wurde ich eingesammelt und es ging nach Lushoto in die Lodge wo wir schliefen. Wie beschreibe ich am besten die Feier… Voll, laut und geplant (mehr oder weniger) trifft es glaube ich ganz gut. Reizüberflutung schon beim betreten in die Halle. Alle Wände waren abgehängt mit Tüchern, blinkende Lichterketten, Plastikstühle mit glänzendenden Stuhlhussen, ein Moderator, ein DJ, riesige Boxen, ein Kameramensch und vorne eine Prunkvolle Empore. Die Stühle füllten sich und ich schätze mal es wurden so etwa 200+ Gäste. Dann fing der Moderator mit dem Programm (das laut Plan, der ausgelegt war, sogar auf fünf Minuten genau war 😀 ) an und die Prozedur begann. Es war alles ziemlich langwierig, vor allem weil ich auch kaum etwas verstand… Viele Rituale wurden durchgeführt und irgendwann ging es dann an das Öffnen der Champagnerflasche. Warum ich das hier schreibe? Wenn man mal genauer den Plan gelesen hätte, wäre aufgefallen, dass bei dem Punkt „Öffnen der Champagnerflasche“ als Verantwortlicher mein Name zu finden gewesen war 😀 Es hat auch niemand für nötig gehalten mich mal vorher zu fragen oder so. Mit viel Überwindung hab ich es dann geschafft, vor der ganzen Gesellschaft die Flasche zu öffnen, sie von allen engen Verwandten noch anfassen zu lassen und es war eigentlich ganz lustig (für dir Zuschauer wahrscheinlich mehr als für mich 😀 ). Es wurde noch gegessen und bis spät weiter gefeiert. Müde fiel ich ins Bett und mein Wecker klingelte mich morgens um kurz nach 5 wieder raus.

Die Fahrt nach Singida musste ich im regular Bus antreten, da leider im großen Reisebus keim Platz mehr war. Ich verbrachte sie also größtenteils damit, in den Kurven nicht in den Mittelgang zu fallen, da die Sitze doch recht schmal waren. Abends um 8 kam ich dann endlich in Singida an und freute mich die anderen wieder zu sehen! Wir verbrachten den Abend am Strand in einem noch nicht fertigen Hotelgebäude mit zwei Südafrikanern und zwei ehmaligen Freiwilligen. Die Rückfahrt nachts zu acht in einem Bajaji gestaltete sich lustig aber alle sind am Ende gut angekommen. Die ersten Nächte schlief ich bei Anna, dort wo wir schon einmal waren und in der Woche noch zwei mal bei Fritzi und ihrer Gastfamilie. Ich ging mit den beiden in die Schule und das Zentrum wo sie nachmittags sind und hab ein bisschen ihren Freiwilligendienst kennen lernen dürfen. Nachmittags und abends sind wir entweder im Pool schwimmen gegangen oder mal auf die Felsen. Ende der Woche habe ich mich dann nochmal auf den Weg (etwa eine Stunde) nach Iguguno zu Louisa gemacht und verbrachte dort noch zwei entspannte Tage bei ihrer Familie. Sonntags hieß es für mich wieder Busfahren und ab nach Hause. Nach etwa einer Stunde hörte ich nur einen kleinen Knall und danach ein komisches pfluppfluppflup unter meinem Sitz… Wir hielten ein paar Meter später an und die Crew stieg aus. Da ich direkt vorne über dem Reifen saß hatte ich beste Sicht auf den teilweise aufgeplatzten und nun komisch verformten Reifen, super. Etwa eine knappe Stunde später ist der Reifen gewechselt, etliche Selfies von Insassen vor dem Bus erledigt und es ging weiter. Nochmal ein Stunde später war meine komplette Hose nass, da mir mein kleiner Sitznachbar seine komplette Sparletta drüber kippte. Nicht mein Tag. Aber auch er ging um.

Auf der Rückfahrt als es die Berge hochging zu mir nach Hause

Hier sollte jetzt eigentlich stehen: Montags hieß es dann für mich wieder Alltag, sprich Schule und Jugendzentrum… Aber wie schon im letzten Beitrag erwähnt gab es Probleme mit dem Migration Office. So machte ich mich Dienstag dann auf dem Weg nach Lushoto und kam mit ernüchternden Nachrichten zurück. Nicht wie von allen gesagt darf ich schon mit dem Reciept vom Work Permit arbeiten, sondern sie wollen es zusammen mit dem Reciept vom Resident Permit vorliegen haben, und das ist noch nicht einmal beantragt. Also heißt es für mich jetzt erstmal warten.. Ich darf nicht in die Schule und ins Jugendzentrum nur als Begleitung von Glory, wenn sie eh arbeiten geht. Wie lange das jetzt braucht und ob sie sich vielleicht doch um entscheiden steht in den Sternen (die ich übrigens beim Zähne putzen immer beobachte 😀 ). Aber ich hoffe, dass es jetzt recht zügig geht, da es sonst ziemlich langweilig werden kann…
Da ich mir dann auch keine Sorgen machen musste, ich würde meinen Unterricht verpassen, machte ich mich schon Donnerstags auf den Weg nach Moshi. Moshi (was übrigens Rauch heißt, wenn ich schon nicht arbeiten darf versuche ich mein Swahili mit Glory zu verbessern) ist eine recht westliche Stadt 4 Stunden entfernt von mir am Fuße des Kilimajaro. Wir hatten dort zwei große Zimmer mit allen neun Freiwilligen zusammen, denn seit Dienstag sind wir endlich komplett mit Rebecca! (Wir dachten jedenfalls, wir wären komplett.. Grade hat Aline, die eigentlich nach Südafrika wollte, geschrieben. Sie kommt wegen Visumproblemen auch nach Tansania, also sind wir bald zu zehnt 🙂 ) Außerdem waren noch Eugene aus Singida und Louisas Gastbruder zu Besuch. Wie es sich für Weiße in Moshi gehört sind wir erstmal in alle Restaurant gegangen in denen es (wie Eugene es so nett ausgedrückt hat) „all Mzungu-Food“ gibt. Sprich wir sehnten uns nach Pizza, Pasta und Burgern. 😀 Wir waren in drei verschiedenen Restaurant über das Wochenende verteilt und es war wirklich ungewohnt so viele Weiße an einem Ort zu sehen, tja was das Essen angeht sind wir halt doch irgendwie Gewohnheitstiere 😀 Freitags sind wir abends Louisas Geburtstag feiern gegangen und am nächsten Tag (nachdem wir ausgeschlafen hatten 😍… Ist bei mir zuhause sogutwie nie möglich 🙁 ) ging es erst zu einem Markt und dann noch zu Nacromart, einem richtigen Supermarkt… Super ungewohnt nach fast zwei Monaten in Shops die man meist nicht mal betreten kann. Tipp für alle die großen Gruppen reisen: um rumzufahren macht euch nicht den Aufwand um euch aufzuteilen sondern nehmt euch doch einfach gleich zu elft ein ganzes Daladala. Macht auch viel mehr Spaß! 🙂 Sonntags war schon wieder Abreisetag, denn die Singida bzw Bukoba Leute hatten noch eine lange Reise vor sich. Ich bin noch etwas mit Paul und Alexandra in der Stadt geblieben und hab mich dann auch auf den Heimweg gemacht…

Die Spitze vom Kilimajaro

„Good morning Madame!“

Jeden Morgen um Punkt 8 / 9:20/ 11 oder 13 Uhr sollte dies in meinen Ohren klingen… Die Realität? Ich komme rein, drei Schüler begrüßen mich und dann fangen erstmal etwa  100 Schüler, die für mich aufgrund der Schuluniform noch so ziemlich alle gleich aussehen, an, Stühle auf den Köpfen von Klassensaal zu Klassensaal zu tragen und überall rumzukramen.

Die letzten paar Meter vor der Schule

Willkommen in der Form IB!

Die älteren Schüler bei der Examination. Die Farbe der Schuluniform wechselt mit der Klassenstufe.


Ich möchte ein bisschen berichten wie das in der Schule bisher so läuft…
Vor etwa drei Wochen hatte David mich hergefahren und nach dem Gespräch mit dem Schulleiter stellte sich heraus, ich solle Form I (drei Klassen à 50-60 Schülern) in Biologie unterrichten, so wie es meine Vorfreiwillige Lynn getan hat. Vorerst hieß es jedoch: Ohne Workpermit, keine Arbeit. Der Grund hierfür abgesehen, dass es natürlich nicht so ganz erlaubt ist (bei den anderen Freiwilligen aus Tansania war es eigentlich kein Problem, dass das Workpermit nachgereicht wird)… Ich bin offensichtlich weiß 😀 und das so ziemlich als einzige hier in der Gegend. Aus diesem Grund meinte der Schulleiter würde ich bei einer Kontrolle direkt auffallen, da es hier im näheren Umkreis sonst keine Freiwilligen gibt. (Heute kann ich sagen: Er hatte Recht, jedenfalls zum Teil.. am Ende nochmal kurz was dazu. 🙄) Ein bisschen geknickt war ich schon aber scheinbar hat er ziemlich schnell seine Meinung geändert. Ich sollte nämlich Montags nach dem Wochenende doch mal zu Schule kommen. Mein Montag gestaltete sich in etwa so wie der folgende Dienstag… aus Warten. Ich wurde nach einem kurzen Besuch beim Academic Office, um dann doch schon meinen Stundenplan zu machen (ich war ein wenig verwirrt?), in den Staff Room verfrachtet und verbrachte beide Tage bis jeweils Nachmittags nur dort und wartete auf meinen Plan. Hört sich jetzt echt langweilig an… War es auch 😀 Jedoch war es auch eine gute Möglichkeit, das noch relativ junge Lehrerkollegium kennen zu lernen.

Mein Platz im Lehrerzimmer der gleichzeitig (wie auch die Couch) als Aufbewahrungsort einiger Lehrer für sämtliche Hefte genutzt wird 😀

In der ersten Woche sollte mich Madame Amina mitnehmen und mir alles ein wenig zeigen. Sie war die derzeitige Bio-Lehrerin der Form I, die ich (wie ich es Mittwochs dann erfahren habe) ab der folgenden Woche komplett übernehmen sollte. Mittwoch habe ich dann Madame Amina zu zwei Bio-Stunden begleitet. Danach erstmal durchatmen. Durch meinen Kopf schossen Fragen über Fragen… Gibt es einen Lehrplan? Warum ist die Unterrichtssprache Englisch, wenn es kein Schüler kann? Wie kann ich mich gegen 60 murmelnde Schüler durchsetzen? Und so viele mehr.
Ein paar Erklärungen: Eigentlich sollte die Secondary School komplett in Englisch unterrichtet werden, die Realität sieht anders aus (zumindest in Form I)… Fast kein Schüler versteht mich, wie auch, wenn sie seit sieben Jahren in Swahili unterrichtet wurden.. Über dieses Thema habe ich mit mehreren Lehrern schon lange geredet, es ist kompliziert und von vielen verschiedenen Gesichtspunkten zu betrachten und daher fällt es mir auch noch schwer, eine gefestigte Meinung zu bilden. Mein erster Eindruck war jedoch negativ was dies angeht. Diesen Eindruck hatte ich auch von manchen Lehrern, mit denen ich geredet habe. Ich könnte hier jetzt ne große Argumentation niederschreiben aber das würde den Rahmen vom Beitrag jetzt sprengen und dafür bin ich auch erst zu kurz hier. Also kurz und knapp, was mir mit als erstes durch den Kopf läuft zu diesem Thema: die meisten Schüler behalten sich fast nichts von dem Englischen. Sie sitzen im Unterricht, lassen sich voll reden und warten einfach nur drauf, bis der Lehrer es ja doch in Swahili übersetzt. In das Heft wird dann alles, was vom Lehrer angeschrieben wird (ich kann jetzt nur von Madame Amina reden und da war es einfach 1zu1 das Buch), abgeschrieben und für die Examination größtenteils auswendig gelernt. Ich bin gespannt wie ich das weiterhin Wahrnehmen werde…

Aber zurück zur Schule. Ganze zwei Mal war ich mit Madame Amina zusammen im Unterricht, dann ist sie den Rest der Woche einfach nicht mehr gekommen. Da stand ich also Donnerstag, hab 20 Minuten bevor der Unterricht starten sollte erfahren, dass ich ihn doch bitte allein machen soll. Ich war ehrlich gesagt überrannt. (Zu erwähnen, dass Amina an diesem Morgen noch da war und sie es war, die mir gesagt hat, dass sie jetzt geht und ich es bitte allein machen soll) Nach kurzem hin und her hieß es dann, ich soll gar nicht gehen. Na gut, dann halt nicht. Am nächsten Morgen hat mir wieder bis kurz vor dem Unterricht niemand gesagt, dass ich allein bin. Als ich mich dann überall durchgefragt habe, bekam ich gesagt, was ich befürchtet habe und bin dann einfach allein in Klasse gegangen. So stand ich dann vor etwa 60 Schülern die mich nicht verstehen und ich sie leider auch nicht. Mit ach und Krach hab ich die unvorbereitete Stunde geschafft und bin nach Hause gegangen.

Am folgenden Wochenende habe ich dann angefangen mich vorzubereiten. Da für die Examinations der Inhalt des Buches wichtig ist, habe ich die Texte größtenteils umgeschrieben um sie verständlicher zu machen und eine Vokabelliste für die Schüler (und mich 😀 ) erstellt. So ging es dann Montag richtig los für mich und es ist wirklich um einiges besser gelaufen! Ich hab leider nicht das simpelste Thema zum Einstieg aber mit Händen und Füßen (und wunderschönen *hust* Tafelzeichnungen) stehe ich vorne und erkläre die verschiedenen Impfformen oder was unser Immunsystem ist.. Jede Stunde ist was neues und sieht anders aus. Manchmal machen viele mit, manchmal keiner und leider nie alle. Ich muss sagen, aufgrund der Größe der Klasse fällt es auch einfach unglaublich schwer, alle miteinzubeziehen. Auch lustig, wenn 5 Minuten nach Unterrichtsbeginn ein anderer Lehrer in meine Klasse kommt und im Schlepptau eine andere Form I hat und meint ich solle sie doch bitte diese Stunde mit unterrichten, dann halt knapp 120 Schüler.. kann man mal machen 😀 Dann gibt es halt leider die vier Mädchen hinten in der Ecke, die nichts machen oder den Jungen, der wirklich immer schläft.. man lernt (leider) ein bisschen drüber hinwegzusehen. Die Zeit, die ich nun schon aufgebraucht habe, nur um mit solchen Schülern zu reden geht halt einfach leider drauf und die, die vielleicht grade noch interessiert waren können nur da sitzen und warten. Von Stunde zu Stunde wurde es lockerer und man kann auch einfach mal gemeinsam drüber lachen, wenn ich mich abmühe manche Worte auf Swahili auszusprechen. Ich musste mich jetzt noch die letzten Wochen sehr an Madame Amina halten, da auch sie es war, die den Test aufgestellt hat. Die Mid Term Examinations gingen etwa eine Woche lang und danach waren dann erstmal eine Woche Ferien.

Für mich heißt es jetzt weiter Swahili lernen, dass die Verständigung leichter wird und der Unterricht so hoffentlich besser. Alles in allem kann ich sagen es ist zwar teilweise echt anstrengend wenn man einen Satz sagt, darüber eine Frage stellt und genau 10 Schüler die Antwort wissen (von denen sich die Hälfte nicht traut sich zu melden) aber bis jetzt gefällt mir doch die Atmosphäre in der Schule und das mit dem Unterricht…wie gesagt, ich denke das bessert sich je länger ich da bin und wenn sich dann die Schüler auch an mich gewöhnt haben. Wie oben geschrieben ist das Kollegium noch relativ jung und sehr aufgeschlossen, also hab ich in meinem Freistunden eigentlich immer jemanden zum Reden. Und die hatte ich vor allem in den letzten Wochen gehäuft, da mein Plan nicht ganz mit dem allgemeinen übereingestimmt hat und dann auf einmal zwei Lehrer vorne standen und beide jetzt Unterricht machen wollten 😀 Naja, nach den Examinations soll aber ein neuer Stundenplan kommen, der stimmt dann hoffentlich.. also Pole Pole (heißt sowas wie „Ruhig, Ruhig“ und ist hier ein sehr beliebtes Motto.. bzw eine Einstellung)!

Hier noch meine zwei Schulweg-Funde. Da lohnen sich die 40 Minuten laufen doch 😀 

Ohne die lieben Mädels mit denen ich heim gelaufen bin hätte ich das Chamäleon nie gesehen

Sooo und jetzt mal wieder was aus der Kategorie „Täglich grüßt das Murmeltier“: das Visum… Anscheinend mag mich da wer nicht 😀 Wie ich drauf komme? Am Montag stand (ich war glücklicherweise wegen der Midterm-Break in Singida) scheinbar ein Migration-Officer im Jugendzentrum auf der Matte und hat nach mir gefragt, da ihm gemeldet wurde, dass hier jemand arbeitet. David war zufälligerweise aus Tanga grade dort und hat ihnen erzählt, dass ich noch nicht arbeiten würde sondern ich mich lediglich umschauen würde. Da ich grade in Singida war, konnte ich auch direkt das Reciept mitnehmen, das bezeugt, dass ich mein Workpermit bereits als ich gekommn bin bezahlt habe. Morgen also keine Schule für mich sondern ein Besuch im Migration Office in Lushoto. Ich bin ja mal gespannt was da rauskommt, aber ich hoffe, dass ich dann ab Dienstag offiziell arbeiten darf und sie keine weiteren Probleme machen.

Man soll die Feste feiern, wie sie fallen… oder so.

Eigentlich steht der Eintrag über meine erste Zeit in der Schule schon in den Startlöchern, aber hier ein Mini-Einschub über meinen gestrigen Tag. Mal ein bisschen was aus meinem Familienleben.

Von Anfang… Mein kleiner Gastbruder (ich nenne ihn der Einfachheit halber Gastbruder, obwohl er ja eigentlich der Sohn von meiner Gastschwester ist) hatte am 16. September Geburtstag und wurde drei. Seit zwei Wochen war auch klar, dass wir an diesem Tag feiern würden und alle freuten sich drauf. Freitag der 16. war dann nun also da, aber zwei wichtige Personen fehlten: Adbul und  Glory 😀 Montags wurde mir gesagt, die beiden kommen morgen aus Tanga, wo sie Abduls Vater besuchen, zurück. Nachdem mir dann Dienstags, Mittwochs, Donnerstags und Freitags genau das Selbe gesagt wurde, habe ich bald angefangen zu zweifeln ob ich die zwei hier je wiedersehe 😀 Samstags standen dann doch endlich Abdul mit seiner Mama vor der Tür… Fünf Tage nach Ankündigung aber ja, das wird hier nicht so eng gesehen. (An der Stelle möchte ich noch einmal erwähnen, dass dies meine persönlichen Eindrücke, Erfahrungen und Gefühle sind, die ich hier mit euch teile. Keinesfalls kann man das, was ich hier erlebe und schreibe verallgemeinern. Würde ich bei unseren Nachbarn wohnen, hätte ich wahrscheinlich andere Eindrücke etc. Das bitte im Hinterkopf behalten! 😉 ) Vielleicht hat Gott es auch einfach so gewollt, in meiner Familie herrscht nämlich stets das Motto „If god wishes…“ („Wenn Gott es wünscht…“). Das erste Mal gesagt bekommen habe ich es am ersten Abend beim Gute-Nacht-Sagen. Meine Gastmama meinte: „Good night and if god wishes till tomorrow.“ Ich war irritiert, eine solche „Verabschiedung“ hatte ich vorher noch nicht gehört und dachte mir einfach nur: Ja aber sicher hoffe ich doch, dass Gott das wünscht?! 😀 Mittlerweile bin ich es gewohnt. Ob ich in die Schule oder ins Bett gehe oder ich frage, wann Glory zurückkommt und wann wir feiern… Stets bekomme ich zu hören „If god wishes till tomorrow/ they come back on Tuesday/ see you later…“. Aber weiter mit der Feier. Samstags fragte ich dann, wann diese stattfinden würde und die Antwort hat mich nicht überrascht. „If god wishes tomorrow“, sagte meine Gastmama zu mir. Mir fiel es noch schwer dem ganzen 100% Glauben zu schenken, aber da wenigstens schon mal alle da waren und wir Zutaten für einen Kuchen zur Kirche gebracht haben, da dort ein Ofen ist, standen die Chancen echt gut. (Spoiler: Sonntags war tatsächlich die Feier!)

Der Sonntag war dann da… Die Kirche morgens um sieben ließ ich (nicht ganz so schweren Herzens) ausfallen, da ich in der Nacht gar nicht schlafen konnte und wartete im Bett auf die Rückkehr von Tamali (so heißt meine Gastmama) und Glory. An Weiterschlafen war leider nicht zu denken, da Soma und Abdul die Musik so laut gedreht haben, dass ich mich nur noch ein wenig unter der Decke verkrochen hab. Nach zwei Stunden (so lange dauert hier die Kirche 😀 ) kamen Glory und meine Mama zurück und hatten tatsächlich schonmal Reis und Kartoffeln mit. Also ging es wirklich los! Mir wurde gesagt, dass wir jetzt heute vormittag zusammen das Essen vorbereiten und abends die große Feier ist. Gesagt, getan. Um 11 saß ich zusammen mit einer Verwandten (?!) draußen und wir haben Mengen an Kartoffeln geschält. Es war lustig, auch wenn wir uns kaum unterhalten konnten… Ich konnte meine fünf Swahili Sätze sagen und das wars dann auch. Dass Lachen nunmal keine Sprache braucht, rettet mich hier täglich! 🙂 Weiter gings mit Zwiebeln, Paprika, Gurke, Kraut… Und dann war soweit auch schon alle geschnibbelt. Es gesellten sich noch zwei weitere Frauen zu uns, ein provisorischer Herd wurde schnell noch für den Reis gebaut (Den man erst picken muss, da hier noch Steinchen drin sind. Und glaubt mir, nichts ist schlimmer als auf nen Stein im Reis zu beißen! :D) und langsam aber sicher Tat sich was. Meine Mama und Glory sind noch diverse Male Erledigungen machen gegangen und als dann Teppich und Tisch aus meinem Zimmer in die Einfahrt gelegt wurden und ich noch eine Luftballongirlande bastelte dachte ich, dass es dann bald losgeht. Um fünf Uhr sollte dieses „bald“ laut Tamali sein.. ab drei kamen verstreut dann ein paar Kinder und später noch ein paar Mütter mit kleinen Babys. Tamalis Mutter trudelte auch bald ein und somit waren wir eigentlich komplett. Ich fühlte mich überall ein bisschen fehl am Platz… Im Wohnzimmer/Flur haben alle weitestgehend schweigend meinen Lieblingssender (siehe letzter Beitrag) geschaut, in der Küche saßen noch die zwei Verwandten und haben dem Essen beim Kochen zugeschaut, Glory ist hin und her gelaufen und meine Gastmama machte sich um kurz vor fünf dann erstmal auf den Weg in die Kirche(!?). Also saß ich da… Hab gewartet und mich gewundert 😀 Um kurz vor sechs, es wurde langsam dämmrig und kühler, kam meine Gastmama zurück und es wurde unruhiger… Glory und Abduli verschwanden nochmal im Zimmer, ich wurde als Fotograf des Abends erklärt und musste zig Fotos vom Essen und den Leuten machen und als Glorys Zimmertür aufging war ich mir sicher, dass es dann jetzt endlich los ging. Vor mir standen in passenden Gewändern das Geburtstagskind mit seiner stolzen Mama. Noch schnell drei Fotos und Abduli wurde in die Einfahrt gesetzt, alle Kinder auf die Stühle vor ihn.

So warteten wir dort bestimmt 20 Minuten, bis dann doch entschieden wurde, er muss mit seiner Mama einlaufen.Also Abduli wieder ins Haus, Kinder wieder alle auf die Stühle drapiert 😀 Endlich fing Mama Tamali an, ein Lied zu singen und alle stimmten ein. Abduli kam mit Glory eingelaufen und er nahm wieder Platz.

 Ein „Happy Birthday“ später sprachen alle von dem Kuchen vor Abdul. Ah Mist… Der muss doch scheinbar auch extra rausgetragen werden. Also auch hier wieder auf Anfang.. der Kuchen wieder zurück ins Haus, drei Kinder geschnappt, die ihn dann zu einem Speziellen ich nenne es mal „Kuchenlied“ raustragen und wieder vor ihn stellen. Dann ging das große Füttern los. Mit einem Zahnstocher wurde erst Abduli von seiner Mama und dann die Gäste von Abduli gefüttert (auch ich hab ein Stück bekommen). Dann hat Abduli noch ein paar Geschenke bekommen (üblicherweise Kekse und ein wenig Geld) und die Erwachsenen sind dann alle ins Haus gegangen zum Essen.

 Eine halbe Stunde später war alles vorbei.. Der Kuchen wurde unter ein paar Leuten aufgeteilt, die ihn dann mitgenommen haben und die Kinder draußen sind auch bald heim. Anderthalb Stunden hat also die tatsächliche „Feier“ gedauert, ich war ein wenig verdutzt und bin mal gespannt wie es bei Glorys Geburtstag oder so ist ..:) Alles in allem war es ein Tag an dem ich viele kennenlernen konnte, aber so Geburtstagsstimmung kam irgendwie (jedenfalls bei mir) nicht so richtig auf, da alles so ein gestresstes hin und her war. Ich hoffe jedoch Abduli hatte nicht diesen Eindruck und konnte seine Feier genießen! Heute morgen kam er mir schon mit seinem kleinen roten Auto, was ich ihm geschenkt habe, entgegengerannt. Ich freu mich, dass es ihm gefällt 🙂

Nicht von den „glücklichen Gesichtern“ irritieren lassen 😀 Sobald hier ein gestelltes Foto gemacht wird, haben viele die Angewohnheit ein Pokerface aufzusetzen. Fragt mich nicht warum…

Und weil es grade so passend ist: Happy Birthday liebe Anne! Ich winke virtuell mal runter zu dir. 🙂 Und ich wünsche dir, dass dein Tag heute nicht so kompliziert wird und du ihn mit nem großen Stück Kuchen genießt! 😀 🎂

Sowas wie Alltag

Unter der Woche klingelt mein Wecker morgens um 6:00 Uhr. 06:15 Uhr (ein Hoch auf die Snooze-Funktion) schaffe ich es dann auch endlich mal mich aufzuraffen und unter der warmen Bettdecke rauszukriechen 😀 Ich mach mich schnell (nicht nur schnell, weil ich zu spät dran bin, sondern auch einfach weil es mega kalt ist) fertig und meistens hat mir meine Gastmama dann schon Frühstück gemacht. Ich packe meine drei Sachen und mach mich so um 10 vor 7 auf den Weg. Die Straße von Kwekibaa entlang, durch Mbeilei (inklusive gefühlten 20 Bodaboda-Fahrern, die mich ansprechen und jeden Tag aufs neue Fragen ob ich nicht doch zur Schule gefahren werden will) und dann zieht sich (laut Schild) ein 2,15km langer Weg hoch zur Schule. Es ist zwar anstrengend wird aber jeden Morgen leichter und die Aussicht ist echt super schön!

Mbelei

Positiver  Nebeneffekt: ich beweg mich bei dem ganzen Öl was ich hier zu mir nehme mal und bilde mir ein, dass es ja dann gar nicht soo schlimm ist 😀 Etwa um halb 8 kann man mich das letzte steile Stück des Weges runterstolpern sehen und schon bin ich da. Im Lehrerzimmer sitze ich in der Ecke auf so einem „Sofa“ und dort warte ich dann erstmal bis der Rest eintrudelt, wünsche diversen Schülern einen guten Morgen und unterhalte mich mit den Lehrern, die schon da sind oder erfreue mich an dem guten Internet hier. Zuhause reicht es leider nur für WhatsApp 🙁 Bis 8 Uhr wird die Schule noch von den Schülern sauber gemacht und das Assembly findet statt. Dann geht (langsam aber sicher) auch mal der Unterricht los… Ich habe die Form I in Biologie, das sind drei Klassen à 50-60 Schüler. Alle drei habe ich getrennt in der Woche zwei Mal für je eine Doppelstunde. Über den Unterricht und meine Arbeit in der Schule schreibe ich aber demnächst nochmal was ausführlich, wenn ich ein bisschen länger da bin 😉 In der Zeit, in welcher ich keinen Unterricht habe, sitze ich meistens auf meinem Platz und unterhalte mich mit den Lehrern oder Laufe ein bisschen rum und schau mir die Schule an. Bis auf Donnerstag, wo ich nach der Break (es gibt nur eine große Pause) Unterricht habe, gehe ich nach der Break irgendwann heim.

Auf  dem Weg liegt auch das Jugendzentrum, wo meine Gastschwester die Bibliothek leitet… Entweder sammel ich sie dort ein und wir gehen zusammen heim oder ich mache mich allein auf den Weg. Zuhause bereiten wir meist zusammen das Mittagessen vor und danach hab ich ein bisschen Zeit… Ab dieser Woche geht es auch im Jugendzentrum los! Am Montag habe ich mit ein paar Kindern das Plakat gemalt und wir testen jetzt mal wie es so läuft… Geplant ist Montag und Donnerstag ein kleiner Englisch Kurs und Mittwochs Spiele. Wird sich die nächsten Wochen zeigen ob das ankommt und sonst habe ich ja auch noch ein ganzes Jahr Zeit, Sachen anders zu machen… Da ich die einzige bin, die etwas in dem Jugendzentrum macht, bin ich da echt ganz frei. (Auch hierüber erst demnächst genaueres 🙂 )

 Sonst verbringe ich meine Nachmittage, indem ich mit Abdul Spiele, Sachen vorbereite, wir Nachbarn besuchen oder ich mit mit Glory irgendwas besorgen gehe. Da die Essensvorbereitung hier echt eine große Sache ist, wird meist um 18 Uhr schon langsam angefangen zu kochen. Meist bin ich die ganze Zeit mit in der Küche, mir macht es Spaß mitzuhelfen oder mich einfach ein bisschen zu unterhalten… So Versuche ich auch meine Swahili Kenntnisse ein bisschen zu erweitern. Relativ spät, so um 20 Uhr / 20:30 Uhr gibt essen.. da muss ich mich echt noch ein wenig dran gewöhnen. Glory und meine Gastmama machen jeden Abend noch Mandazi und so Teile, von denen ich grade den Namen vergessen hab 😀 Das eine ist süß und das andere herzhaft und (oh Wunder!) natürlich sind beide frittiert 😀 Sie verkaufen sie jeden Morgen an die Nachbarn und ein paar behalten wir selbst. Nach dem Essen bleibe ich meistens noch ein bisschen mit Abdul und wer immer noch mit mir isst sitzen und wir schauen den schrecklichsten Sender, den ich kenne. Sinema Zetu… 100% Bongo Movies. Ich muss echt immer meditieren wenn der läuft (und das tut er so ziemlich den ganzen Tag), sodass ich nicht zum Fernseher gehe und ihn ausmache 😀 Bongo Movies sind Filme bzw Serien, die nur hier in der Gegend gedreht wurden… Meiner Meinung nach schlimmer als Rote Rose, GZSZ und Sturm der Liebe zusammen 😀 Aber die Leute hier scheinen sie echt alle zu mögen. Meine Hoffnung, dass ich sie besser finden werde, wenn ich dann mal Swahili kann, ist immernoch da. Am Ende vom Tag bin ich wirklich müde und mach mich (für meine Verhältnisse aus Deutschland) echt früh auf den Weg ins Bett. Ich schau mir noch eine Folge von irgendeiner Serie an und spätestens um halb 11 mach ich das Licht aus… 🙂 Das Wochenende läuft ein wenig anders ab. Ich schlaf länger (oder so lange wie es mir möglich ist bei der Lautstärke vor meinem Fenster 😀 ) und stehe so um 8/ halb 9 auf, Frühstücke und dann stehen immer mal wieder verschiedene Sachen an (ich bin ja auch erst seit zwei Wochen da). Letztes Wochenende waren meine Gastmama und ich auf dem Markt in Mombo, es wurde Wäsche gewaschen, wir haben Leute besucht, waren Sonntag in der Kirche (2 1/2 Stunden und das einzige Wort, was ich verstanden habe, war Mungu:Gott) und Abends auf so einer Feier (irgendein ehemaliger Schüler hatte eingeladen, da er irgendwie ein Amt in der Kirche übernimmt oder so?! Hab es nicht ganz verstanden 😀 ).

Abdul, Glory und meine Gastmama Tamali

Am Freitag geht es für mich über das Wochenende zu Theresia und ihrer Familie nach Tanga 🙂 Ich freu mich drauf, meine Sweatshirtjacke mal im Schrank zu lassen! Ahhh apropos Schrank, mein Zimmer ist auch endlich fertig und ich fühl mich jetzt nach ein bisschen umstellen, endlich nicht mehr aus dem Koffer Leben zu müssen und ein paar Bildern an der Wand auch echt wohl! 🙂
Und weil ich gefragt wurde, wie es bei mir so aussieht… Hier ein paar Fotos.

Der Eingangsbereich
Die Küche
Dusche und Toilette

Willkommen im Team Lushoto…

…das war die erste Nachicht, die ich von Lynn bekommen habe, nachdem wir uns endlich entschieden hatten wer wohin geht. Seit letzter Woche Mittwoch bin ich jetzt hier in Lushoto und möchte meinen von ersten kleinen Eindruck von der Gegend gern berichten. 

Nach einer abenteuerlichen Fahrt mit den Coaster (ein kleiner Bus) nach Soni, einhergehend mit sehr engem Kuscheln mit dem Sitzpartner und dem Erstaunen über die Quetschfähigkeiten der Buscrew (es wurde nicht losgefahren bis alle Viererreihen mit fünf Leuten bestückt waren 😀 ) wurden wir nach etwa 3 Stunden Fahrt von David, unserem Projektpartner, in Soni abgeholt.

Ankunft in Soni

Erster Eindruck: Wunderschöne Landschaft aber warte ich hol mir kurz meinen Schal und die Jacke raus… Ja, es ist richtig kalt! (Dicke Leggins und weitere Jacke sind schon auf dem Weg 😉 ) David brachte uns erstmal zu seiner Mutter nach Misalai, dort wo meine Vorfreiwillige ein Jahr gewohnt hat. Zwei Nächte haben wir bei ihr zusammen geschlafen und Tagsüber sind wir das Workcamp (auch von Kolping eine Gruppe, die 3 Wochen hier gewohnt und Steine für ein Ausbildungszentrum hergestellt hat) „besuchen“ gegangen 😀 Besuch hieß hier, dass wir einfach mit ihnen Steine schleppen mussten…

Das erste mal Ugali, ein Maisbrei… Entweder gibt es das oder Reis zum essen (mit Ausnahmen natürlich 😀 )

Steine zum Brennofen gestapelt – Heimantsgefühle kamen auf, denn danach sah man aus, als hätte man sich ne Stunde im Roten Hang gewälzt 😀

David hatte es scheinbar nicht so eilig mir meine neue Gastfamilie, das Jugendzentrum oder die Schule zu zeigen. Nach ein wenig warten und fragen sind wir dann Freitags doch zu der Schule gegangen haben kurz mit dem Direktor gesprochen und der letzte Stand von ihm war: Ohne Workpermit, keine Arbeit. Aber ich sollte doch trotzdem am Montag nochmal vorbei kommen… Am selben Tag wurde ich dann auch meiner Gastfamilie vorgestellt und ich zog kurzfristig abends schon hin. Ich wohne jetzt offiziell in Kwekibaa, eine Hausnummer oder ähnliches gibt es nicht… Falls jemand mal vorbei kommt: einfach die Einfahrt auf der Straße zwischen Mbelei und Kwekibaa hochgehen, das Haus auf der linken Seite suchen und findet man mich 😉 Ich war echt froh, dass Theresia in der ersten Nacht noch mit dabei war um sich so ein bisschen zurecht zu finden und nicht alleine Fragen zu müssen mit welchem Wasser und wo ich jetzt Zähne putzen kann 😀 Küche, Dusche und Klo sind nämlich draußen in extra Häuschen und fließend Wasser gibt es keins. Aber kurz zu meiner Gastfamilie… Das sind Glory (meine Gastschwester so etwa 20?), ihre Mutter, Glorys Sohn Abdul (nächsten Monat 3 Jahre alt), Soma (wenn ich es richtig verstanden habe, der Sohn von Glorys Bruder?), Nelson (der Sohn von einem Bruder meiner Gastmama) und städige wechselnde Besucher 🙂 Ich fühle mich wirklich wohl bei ihnen und auch wenn echt alles neu ist, versuchen alle zusammen ein gutes Einlebenzu gestalten.

Theresia, Abdul und ich
Vorne links ist mein Zimmer

Einen richtigen Alltag habe ich noch nicht… Seit Montag gehe ich jetzt in die Schule (auch ohne Workpermit, scheinbar geht es trotzdem) und gestern habe ich das erste Mal das Jugendzentrum von innen gesehen. Sonst spiele ich Nachmittags mit Abdul, gehe mit Glory einkaufen oder bin mit beim Essen machen dabei.

Unsere Kochstelle (Heißgeliebter Aufenthaltsort von mir… Das ists immer war 🙂 )
Darf ich vorstellen, Trude. Das Hühnchen versteht sich leider nicht mit den anderen im Stall also lebt es meist in der Küche wo es schön warm ist. …danke Darleen als Namensgeber 😀

Zu der Schule werde ich demnächst was schreiben, wenn ich mich ein bisschen eingelebt habe… Und ganz sicher kommt auch bald was zum Essen hier. Bis dann! 🙂

Packen 2.0

Heute geht es endlich los nach Lushoto für mich! Mein Koffer ist erneut gepackt (diesmal mit Platz- statt Gewichtsproblemen 😀 ) und wir sind soweit fertig um aufzubrechen. Carlota kommt gleich noch vorbei und holt meine Kofferwaage, da für sie der Freiwilligendienst nächste Woche fertig ist, und am Ende stehen dann wohl Platz- und Gewichtsprobleme an… mehr dazu dann wahrscheinlich nächstes Jahr 😀 Wir sind ihr super dankbar darüber, dass sie uns den Start wirklich erleichtert hat und uns ein bisschen das Leben hier gezeigt hat.

Gestern vormittag haben wir das erste Mal hier per Hand gewaschen und es war zwar echt ungewohnt aber es geht… Auf alle Fälle hatten wir echt ne lustige Zeit mit Dada und Ruth (Theresias kleine Gastschwester), da wir wie Schüler auf dem Schemel saßen und sie es uns Schritt für Schritt gezeit haben 😀 Danach sind wir zusammen mit Carlota auf dem Markt hier gewesen und haben uns Kangas (Tücher, die man sich einfach um die Hüfte bindet) und Kitenge Stoff (bunter Stoff, gibt es hier überall) gekauft. Damit ist Theresia hier zum Fundi, so heißt der Schneider, gegangen und kann jetzt nächste Woche ihr erstes Kleid abholen. Ich werde dies dann in Lushoto machen und bin schon echt gespannt 🙂 Nach einem keinen Mittagessen mit Meersicht sind wir noch zu Carlota in die Kirche gegangen um bei der letzten Chorprobe für sie mit dabei zu sein.

Und ja, das dahinten ist ein Obstteller… Gurke und Avocado gelten als Frucht hier 🙂

Achso, was die Zeitrechung hier angeht… Um 17 Uhr hat die Probe begonnen und um kurz vor 18 Uhr haben wir uns dann auch mal auf den Weg gemacht. Unglaublich in Deutschland, da wär echt jeder genervt oder bei einem Treffen schon alle wieder weg aber hier… Kein Problem 😀 Generell ist es nicht schlimm zu spät zu kommen (natürlich gilt das jetzt nicht immer) weil wenn man rechtzeitig kommt, kann man echt von ausgehen dass man noch wartet 😀 Aber genug dazu, als wir uns dann in die Reihe gesetzt und dem Chor zugehört haben kam nach etwa 3 Minuten Carlota zu uns und meinte wir sollen doch vorkommen und mitsingen. Wir können zwar noch kein Swahili, es gibt keine Liedtexte und unsere Bewegungen zum Rhythmus sehen lange nicht so gekonnt aus wie bei allen anderen aber warum nicht? 😀 Letztendlich war es echt lustig mitzusingen und zu versuchen den Bewegungen zu folgen und es klingt echt mega cool! (Auch wenn ich außer Mungu, Gott, nicht wirklich was verstanden habe) Nach der Probe sind Theresia und ich mit dem Bodaboda heim gefahren und haben das erste Mal direkt den Weg gefunden von dort wo der Fahrer uns abgesetzt hat. Es soll auch schon vorgekommen sein, dass wir im Stockdunkeln alle Menschen auf der Straße nach dem Weg fragen mussten (den wir ja auch nicht kannten) und Straßen minutenlang langgelaufen sind, bis wir uns dann doch für den anderen Weg entschieden haben… Ups 😀 Aber ein paar aus der Nachbarschaft kennen uns jetzt sicherlich. Zuhause angekommen haben wir noch ein wenig bei den Essensvorbereitungen zugeschaut, mit der Gastfamilie erzählt und einen entspannten Abend verbracht. Joseph meinte wir müssen alles mal probieren und so saßen wir eine Minute später mit einem Schluck tansanaischen Konjak im Glas da… Also mein Geschmack ist es wirklich nicht, Joseph hat netterweise meinen Rest getrunken 😀
So das wars erstmal, ich melde mich dann aus Lushoto beziehungsweise Misalai, wo ich vorerst wohnen werde, wieder!

Ein kleiner Abstecher

Wie im letzten Eintrag schon erwähnt hieß es für Theresia und mich vor zwei Tagen den Rucksack packen und ab nach Singida. Wir schauten auf Google Maps.. etwa 9 bis 10 Stunden von uns aus entfernt, okay ist zwar lang aber es geht. Nach einem Gespräch mit Joseph (Theresia Gastvater) stellte sich dann leider heraus, dass wir über Moshi fahren und unsere Hoffnung auf etwa 10 Stunden Fahrt löste sich in Luft aus, denn Moshi liegt nicht wirklich auf dem Weg nach Singida aber scheinbar ist dies einfach die normale Busstrecke. Letztendlich dauerte die Fahrt etwa 14 1/2 Stunden…und das kann auch in einem „Luxury Bus“ echt unbequem werden 😀 Vor dem Sonnenaufgang (immer um 7 Uhr morgens rum) um halb 6 ging es los und nach dem Sonnenuntergang (immer um 19 Uhr rum) um 20 Uhr kamen wir endlich an. Die Fahrt war zwar eng, teilweise echt warm und hubbelig (gefühlt alle 100 Meter befindet sich ein Speed Bump) aber es war wirklich toll die Vielseitigkeit der Landschaft im Laufe der Fahrt zu beobachten.

In Singida angekommen wurden wir von Richard, er war auch beim Vorbereitungsseminar in Bonn dabei, abgeholt und einfach nur glücklich mal wieder die Beine bewegen zu können. Nach einer kurzen Autofahrt waren wir auch schon bei ihm zuhause. Dort warteten bereits Louisa und Fritzi, beide auch Freiwillige aus Igunguna und Singida und eine Kolping Mitarbeiterin die wir unterwegs noch eingesammelt haben, die scheinbar jetzt alles mit unseren Work- und Residentpermits klärt. Nach einer Stunde trudelten dann auch endlich noch Paul, sein Gastbruder und Alexandra, beide Freiwillige aus Moshi, ein und somit war die Gruppe fast komplett. Es fehlte noch Till, der seine Dokumente scheinbar schon so der Mitarbeiterin geben konnte, Rebecca und Anna, die beide nachkommen.

Wir aßen zusammen zu Abend und da es inzwischen echt spät geworden ist, mussten wir uns dann wirklich mal der Sache widmen für die wir eigentlich hergekommen sind. 😀 Bis halb 1 nachts saßen wir zusammen in einem Räumchen, füllten vieeele Dokumente aus (gerne auch das gleiche gleich drei Mal da es an verschiedene Behörden geleitet wird), glichen Sachen ab und überhändigten Geld und Reisepass. Also ein bisschen unwohl fühlt man sich schon wenn der Reisepass ohne einen irgendwo durch Tansania reist und ich nicht weiß wann genau ich ihn wieder bekomme… aber gut das wird schon 😀 Da bei Richard nicht genug Platz war, mussten Paul und ich in ein Gästehaus für die Nacht und sind morgens wieder zurück gelaufen, da wir den Sonntag dann wenn wir schon mal da sind nutzen wollten, um ihn alle zusammen zu verbringen.

Eugene, Richards Neffe, hat uns ein wenig durch Singida geführt. Erst sind wir zu den riesen Steinfelsen gelaufen die hier überall in der Stadt rumliegen und raufgestiegen (übrigens wenn ihr das mal vor habt, und das ist echt teilweise super steil, Birkenstocks und ein langer Rock sind echt ne super Kombi zum Klettern mit Wind 😀 ).

Danach ging es mit dem Bajaji weiter zum See wo wir ein bisschen spazieren waren und uns ein paar nette Jungs mal in ihr Boot gelassen haben, womit wir dann ne kleine Runde gedreht sind. Singida ist echt eine super schöne Stadt!

Ein Bajaji
Theresia, Alex und ich im Bajaji

Wieder zuhause gab es Essen und wir haben den Nachmittag dann eigentlich nur noch unsere Heimfahrt geplant, entspannt und Fritzi und Louisa machten sich auf den Heimweg. Abends haben Theresia und ich zusammen mit Eugene das super aufwendige Essen vorbereitet (es gab Nudeln mit Tomatensoße, die wir gekauft haben 😀 ) und er zeigte uns seine Musik, die er macht. Mit einem Vorfreiwilligen hat er echt ein cooles Musikvideo gemacht. Hier mal der Link, das alles spielt auch in Singida. Wir haben im Hinterhof vom Gästehaus den Abend alle zusammen bei einem Kilimanjaro Bier (mit dem Spruch „If you can’t climb it, drink it!“) ausklingen lassen und sind dann auch schon müde ins Bett gefallen.

Ach und ich hab das erste Mal hier mit Eimer geduscht (da wir bei Theresia fließend Wasser haben) und es ist echt unkomplizierter als gedacht. Mit der dicken Spinne und dem Käfer auf der Dusche hab ich mich einfach angefreundet, hab sie eh aufgrund fehlender Brille am Ende gesehen 😀

Jetzt ist es 11 Uhr morgens und ich sitze nun seit 5 Stunden im Bus mit dem Wissen, dass 9 noch vor mir liegen… Naja die bekomm ich auch noch hinter mich (grade kam auch der Snack, das macht es doch gleich um einiges erträglicher 🙂 ) und dann geht es hoffentlich die Tage endlich zu meiner vorläufigen Gastfamilie nach Lushoto. Ich freu mich endlich anzukommen auch wenn es auch dort erstmal auf Zeit ist.

Karibu Tanzania …meine ersten Tage

Wo soll ich anfangen? Mit dem Flug ist soweit alles gut gelaufen… ein paar kleine Verspätungen aber keine großen Dramen.

Im Anflug auf Dar es Salaam

So richtig realisiert wo man da grade hinfliegt hat man es trotzdem nicht. Unsere ersten Swahili Wörter (Kenntnisse kann man das echt noch nicht nennen 😀 ) konnten wir schon mal auf dem Flug von Dubai nach Dar es Salaam austesten, da ein sehr netter Geschäftsmann aus Tansania neben uns saß und wir etwas erzählt haben. Die Aufregung fing an, als wir dann in Dar es Salaam angekommen sind und erstmal ein riesen Pulk von Menschen vor uns stand, die alle für eine Sache anstanden. Das Visum. Wir waren leicht überfordert wo wir uns anstellen sollen und was wir jetzt eigentlich alles brauchen. Aber Bilder sagen mehr als tausend Worte, also seht selbst.

Als wir dann endlich an der Reihe waren konnten wir einfach nur hoffen, dass unser Touristenvisum angenommen wird, da wir einfach meinten wir besuchen Freunde und auch noch keinen Flug zurück angeben konnten. Mit 50 Dollar, unserem Reisepass und dem Antrag für das Visum ging der Officer einfach weg und meinte wir sollen uns ein paar Meter weiter wieder anstellen. Da uns ja eh nichts anders übrig blieb warteten wir dort und nach einer Weile kam immer wieder eine Frau mit einem Stapel Passports raus und tat sich schwer die Namen aus aller Welt vorzulesen. Letztendlich wurde dann auch so etwas wie mein Name aufgerufen auch wir haben unsere Passports bekommen und jetzt offiziell ein Tourist-Visa bis zum 16.11. 😀 Übrigens haben fast alle hier haben ein Problem meinen Namen auszusprechen, da sie nicht gewohnt sind das „r“ zu sprechen, ohne es zu rollen… sprich es kommt so etwas wir „Mali“ oder „Mahia“ raus. Dass jemals „Theresia“ leichter auszusprechen ist als „Marie“ hätte ich auch nicht gedacht 😀 Da es jetzt schon Donnerstag ist und wir bereits ein bisschen hin und her geschrieben haben, sind wir zu dem Zeitpunkt jetzt auch noch nicht schlauer wo genau wir jetzt unsere beiden Permits um hier zu arbeiten und zu wohnen herbekommen. Niemand ist sich so 100% sicher ist, wer dafür verantwortlich ist. Also heißt es erstmal abwarten. Zurück zum Flughafen… nachdem wir unser Visum dann endlich in der Hand hatten, die Koffer alle unversehrt eingesammelt wurden und wir durch die Sicherheitskontrolle sind haben wir endlich Carlota getroffen. Mit ihr zusammen sind wir mit dem Taxi nach Dar es Salaam rein zu unserem Hotel gefahren. Auf der Taxifahrt kamen wir das erste mal in Kontakt mit tansanischen Verkehrsverhältnissen, und die sind naja sagen wir mal gewöhnungsbedürftig. Die Hupe ist hier Einsatzmittel Nummer eins und an Verkehrsregeln wird sich eher mäßig gehalten..

Aber dennoch wir sind gut angekommen und haben unsere erste Nacht in Hotel geschlafen nachdem wir noch Chips (einfach Pommes, die hier echt immer gegessen werden) essen waren und viel erzählt haben.

Blick aus dem Hotelzimmer auf die Bushaltestelle

Am nächsten Morgen machten wir uns schon auf den Weg zur Busstation, wo unser Bus nach Tanga abgefahren ist. Nach einer 8 stündigen Busfahrt sind wir endlich in Tanga angekommen und wurden von Joseph, Theresias Gastvater, mit dem Auto abgeholt. Auch spannend wenn mitten in der Fahrt der Bus ständig anfängt laut zu piepen und irgendwann angehalten wird, kurz mal im Boden eine Klappe geöffnet wird und sie anfangen am Motor zu werkeln 😀

Ach und sollte man nicht auf Musik von Celine Dion oder den Backstreet Boys stehen ist es sehr zu empfehlen Kopfhörer mitzunehmen, alte Musik ist hier echt beliebt. Bei Theresias Gastfamilie angekommen gab es großes Abendessen und wir konnten die Familie ein wenig kennenlernen, sie waren alle echt lieb zu uns und haben uns nett begrüßt 🙂 Die erste Nacht unter dem Moskitonetz war geschafft und morgens waren wir mit Dada (das heißt „Schwester“, so wird hier das Hausmädchen genannt) und den zwei Kindern allein.

Nach dem Frühstück haben wir auf Carlota gewartet und mit den Kindern Spiderman geschaut, praktisch dass es hier so viele Englische Sender gibt.

Nachdem Carlota uns agbeholt hat sind wir zu den Nachbarn, die Familie der Schwester von David, unserem Projektpartner. Wir haben uns vorgestellt und Soda getrunken, die es anscheinend nur hier in der Gegend gibt. (Natürlich bappsüß, so wie alle Getränke hier 😀 ) Eine superliebe Familie und ganz süße Kinder!

Ah zu dem Getränk, was es nur hier gibt. Haltet euch fern von dieser Sorte 😀

Theresia hatte sie im Bus und dachte es wäre Wasser, dabei war es Soda mit Zahnpastageschmack… 😀 Nachdem wir dann ein Stück durch die Stadt gelaufen sind haben wir auch immer mal wieder „Mzungu“ gehört, so rufen einen meist die Kinder hier und wollen einem Hallo sagen. „Mzungu“ sagen sie hier zu den Weißen, jedoch nicht negativ gemeint. Zur Schule hin sind wir Daladala gefahren, ein Kleinbus mit ein paar Sitzplätzen hintendrin. Hier gibt es keinen Fahrkartenautomaten oder ähnliches wie in Deutschland. Um einzusteigen winkst du entweder oder es gibt anscheinend auch Haltestellen, jedoch sind die nicht gekennzeichnet also muss man einfach wissen wo sie sind 😀 Innendrin fühlt man sich teilweise wie in einer Achterbahn, wenn der Fahrer einfach über die hubbelige Straße braust und teilweise hatte man echt das Gefühl, wir kippen gleich zu einer Seite um. Um wieder auszusteigen muss man entweder ganz laut die nächste Station rufen oder an die Innenwand schlagen. Als auch wir in der Nähe der Schule dann ausgestiegen sind kamen schon die ersten Kinder der Schule (die eigentlich grade Ferien hat aber weil die Lehrer dafür Geld bekommen, sind trotzdem einige Schüler da) auf uns zu, weil die grade Schulaus hatte. Wir haben einige Lehrer begrüßt und sind dann weiter zu Krankenstation, wo Theresia auch arbeiten soll, gefahren. Von dort aus sind wir Mittagessen gegangen und haben noch etwas die Stadt erkundet.

Um das hier schreiben zu können mussten wir dann noch eine Sim Karte holen und ich bin jetzt stolze Besitzerin einer Halotel Sim Karte 🙂 (Und für deutsche Verhältnisse ist es so billig 😮 1GB die Woche und viele Freiminuten und SMS für umgerechnet 61ct ) Da Carlota von der Stadt aus zur Kirche fahren wollte und wir nach Hause hat sie uns zwei Bodabodas (ein Motorrad wo man sich einfach hintendrauf setzt) organisiert und ihnen auf Swahili den Weg nach Hause erklärt… Nachdem wir dann nach 10 Minuten fahrt irgendwo angehalten haben und keiner wusste wo genau wir grade sind beziehungsweise wo genau wir wohnen, kamen uns netterweise Leute zur Hilfe die grade vor einem Shop saßen. Nach 10 Minute versuchen sämtliche Leute zu erreichen… vergeblich… haben wir uns mal genauer umgeschaut und wir haben das Tor unserer Nachbarn erkannt 😀 Sprich wir waren die ganze Zeit eine Straße weiter, aber da alles noch so gleich für uns aussieht haben wir es einfach nicht erkannt. Naja nachdem wir dann noch von einem Nachbarn nach Hause gebracht wurden haben wir noch gegessen, eine Folge Sherlock geschaut und sind müde schlafen gegangen.

Das alles war jetzt ein kleiner Einblick in meine letzten Tage und ich fühl mich echt wohl hier! Es ist zwar alles noch mega ungewohnt und neu aber die Menschen sind echt lieb und Theresias Gastfamilie und Carlota haben uns echt nett aufgenommen und zeigen uns Stück für Stück das Leben hier.


Im Moment hat mit die Whatsapp von David erreicht und wir haben erfahren, dass wir morgen durch halb Tansania nach Singida fahren müssen (bestimmt 10 Stunden Busfahrt) um unser Visum weiterzumachen.. also Planänderung für die nächsten Tage und das erste mal alleine Busfahren, es bleibt spannend 😀

Kwaheri Ujerumani

Der letzte Blogeintrag aus Deutschland, da ist er schon. Irgendwie ging dann doch alles schneller als erwartet.

Sämtliche Menschen hier wurden Verabschiedet und ich kann einfach noch gar nicht richtig fassen was ich da eigentlich grade mache. Auf der einen Seite ist man traurig die ganzen vertrauten Leute hier für ein Jahr nicht zu sehen, auf der anderen Seite bin ich einfach soo gespannt auf alles das, was kommt! „Machste mal.“ wurde mir am Telefon gesagt… und ja, ich mach dann mal!

Sämtliche Skype Telefonate mit Theresia (meiner Projektpartnerin), die jetzt übrigens auch einen Blog hat ( hier kann man ihn finden ), später wurde dann die Packliste verfeinert und etliche Dokumente abgeglichen. Letztendlich ist mein Koffer immernoch knapp ein Kilo zu schwer und von meinem Handgepäck wollen wir gar nicht erst anfangen :D. Es heißt einfach Daumen drücken, dass ich damit durchkomme. Man merkt echt mal was man alles so braucht, wenn man ein Jahr unterwegs ist und nicht mal eben zum Drogeriemarkt oder schnell mit dem Zug in die Stadt kann. Aber sollte ich was vergessen haben, kann es mir auch nachgeschickt werden, das ist laut meiner Vorfreiwillligen kein Problem.

Theresias und mein Flug hebt heute um 22:20h ab, dann machen wir einen kleinen Abstecher nach Dubai und Dienstag etwa um 15h kommen wir in Dar es Salaam an. Übrigens bin ich Deutschland dann eine Stunde vorraus, was Skypen und so echt unkompliziert macht 🙂 Da alle Tansania-Freiwilligen im Vorhinein kein Visum beantragen konnten (seehr lange Geschichte und ich schätze mal sie wird sich auch noch vor Ort fortsetzen 😀 ) müssen wir dann erstmal mit einem Touristen Visum für drei Monate einreisen und vor Ort wird dann alles weitere geregelt. In Dar es Salaam werden wir von Theresias Vorfreiwilligen Carlota abgeholt. Dort bleiben wir für eine Nacht und dann geht es auch schon los nach Tanga, wo Theresia für das Jahr sein wird. Der Plan ist dann dort ein paar Tage zu verbringen und schließlich zusammen nach Lushoto zu fahren, um es dort ein wenig kennen zu lernen. Carlota und Theresia werden dann wieder zurück nach Tanga fahren und ich bleibe dort. Ich werd berichten ob der Plan dann auch so aufgegangen ist, ich bin gespannt.

Ein kurzes Update noch zu meiner Gastfamilie, da hat sich nämlich auch wieder was getan. Ich kann vorerst nicht bei meiner geplanten Gastfamilie unterkommen, sondern werde erstmal für ein paar Wochen bei Lynns Gastfamilie bleiben und dann so bald wie möglich wechseln. Was genau da los ist habe ich jetzt über Whatsapp nicht ganz verstanden, aber anscheinend muss irgendetwas repariert werden, bevor ich kommen kann.

(Achso… wer sich gefragt hat, was „Kwaheri Ujerumani“ heißt: „Auf Wiedersehen Deutschland“ also jedenfalls nach meinen eher nicht vorhandenen Swahili Kenntnissen 😀 )

Theresia und ich kurz vor dem Abflug… Die Spannung steigt 🙂

Der Countdown läuft

Heute noch genau 17 Tage, dann mach ich mich auf den Weg nach Tansania. Kaum zu glauben wie schnell die Zeit umging… Die letzten Wochen waren echt nochmal aufregend, zehn Tage Vorbereitungsseminar und direkt anschließend eine Woche Kinderfreizeit betreuen liegen jetzt hinter mir. Nun heißt es noch letzte Vorbereitungen treffen, Sachen klären, allen Tschüss sagen und dann bin ich auch schon abflugbereit.

Bevor weltwärts-Freiwillige in den Dienst starten, ist das Vorbereitungsseminar ein Muss. Mit Kolping waren wir, wie beim Auswahlseminar, im Haus Venusberg eine echt schöne und toll gelegene Tagungsstätte in Bonn. Das Programm war wirklich umfangreich… wir hatten Einheiten über Kultur von sich und der vom jeweiligen Entsendeland, globale Themen die Projekt übergreifend waren, interkulturelles Lernen, Rassismus und Diskriminierung, Krisenmanagement, Weltbilder, faires Schreiben, Organisatorisches, kritische Sichten und viele mehr. Das klingt jetzt hier vielleicht relativ trocken aber das war es ganz und gar nicht! Die Einheiten waren meistens kreativ gestaltet und selten saßen wir nur da und haben einem Vortrag zugehört. Echt toll war es, dass Mentoren aus den Projektländern mit dabei waren, die parallel und teils überschneidend mit uns an einem Mentorenworkshop teilgenommen haben. Da Kolping nach Südamerika, Afrika und Asien entsendet waren es etwa neun Mentoren aus vielen verschiedenen Ländern. Aus Tansania war Richard mit dabei, zwar nicht Mentor in meinem Projekt aber das war jetzt nicht so tragisch. Von ihm konnten wir echt viel lernen. Jeden zweiten Abend hatten wir einen Swahili Sprachkurs, er konnte uns viel über das Land und die Leute erzählen und da er von dem Großteil der Projekte in Tansania auch einen Plan hat, war er auch unser Ansprechpartner für sonstige Fragen. „Ninapenda matunda!“ (das ist Swahili und heißt: Ich liebe Früchte!) Einen Nachmittag stand eine Challenge in Bonn an… in kleinen Gruppen, aufgeteilt nach Entsendungsländern, fuhren wir mit den Mentoren zusammen nach Bonn und sollten einen Mini-Freiwilligendienst machen. Nach vielem rumgelaufe und „Sorry, aber grade brauchen wir Ihre Hilfe nicht.“ sind wir bei der Gefährdetenhilfe Bonn gelandet und ein super Team hat sich über unser Angebot gefreut, sodass wir dort die Kleiderkammer (hier wird gespendete Kleidung an Bedürftige ausgegeben) aufgeräumt haben und einen tollen Nachmittag in Bonn hatten. Zwischen den Einheiten hatten wir immer genug Freizeit um die Mitfreiwilligen, Mentoren oder die Ehemaligen, die auch immer mal wieder da waren, besser kennen zu lernen und natürlich Kaffee zu trinken. Der Kaffeekonsum dort ist beim Großteil echt angestiegen 😀 Warum? Das Haus hat sich echt gefühlt rund um die Uhr um unser Wohlsein gekümmert… Morgens Frühstück mit Kaffee, nach der ersten Einheit Kaffeepause (immer mit Obst und was Süßem), nach der ersten Nachmittagseinheit Kaffeepause und auch so… es stand wirklich gefühlt IMMER Kaffee auf dem Tisch. Alles in Allem war das Seminar ne echt coole, wenn auch sehr intensive Zeit mit tollen Leuten! Ein bisschen Komisch war es dennoch am Ende allen für ein Jahr Tschüss zu sagen. Aber der Termin für das Zwischenseminar mit allen Ostafrikaleuten und das Nachbereitungsseminar steht ja schon… ich bin gespannt auf die ganzen Erfahrungen, die die Anderen sammeln werden und auf die Erlebnisse, von denen sie erzählen werden.

Während des Seminars haben sich Theresia und ich auch endlich mal entschieden, wer wohin geht… für mich geht es in die Höhe. Auf etwa 1500/2000 Meter Höhe liegt Mbelei (Google Maps kennt den Ort leider nicht, sonst hätte ich es mal hier gezeigt 😀 ) bei Lushoto, dort werde ich meine Gastfamilie haben und voraussichtlich in der Schule und im Jugenzentrum als Freiwillige sein. So wie es aussieht ist meine Gastfamilie auch schon so gut wie sicher. Meine Gastschwester arbeitet in der Bibliothek, in der Lynn (meine Vorfreiwillige) auch war, und ihr Mutter ist dann auch meine Gastmutter. Die Gastschwester hat einen 4 jährigen Sohn aber es wohnen wohl noch mehr Kinder dort, bei denen Lynn, weil sie die Familie nicht soo gut kennt, jetzt nicht genau weiß wem sie sind. Ich bin jedenfalls echt gespannt auf meine Gastfamilie und freue mich sie kennenzulernen!

Jetzt heißt es für mich noch letzte Erledigungen machen und dann geht es auch schon los. Ist schwer zu beschreiben wie man sich fühlt… von Allem etwas würde ich mal sagen!