Die Sache mit dem Regal

Die ganze letzte Woche hat mich die liebe Theresia hier oben in den Bergen besucht. Nach einem Tag Verspätung (der Grund liegt auf der Hand, wenn der vorige Beitrag gelesen wurde 😉 ) hat sich ihr Bodaboda über Matschwege den Berg hoch gebahnt und sie kam sicher bei uns an. Da sie ja auch für TAYODEA hier in Tanzania ist, aber in Tanga in einer Pharmazie unabhängig von TAYODEA arbeitet, war es schon länger der Plan, dass sie sich mal eine Woche frei nimmt und hier dabei ist. Da letzte Woche an der Secondary die Examinations anstanden und ich somit nicht in der Schule gebraucht wurde, traf sich das gut. Wir entschieden uns diese Woche hauptsächlich der Maktaba (Bücherei) zu widmen, da diese eine Generalüberholung dringend nötig hatte 😀 Bücher bekommt die Maktaba von Book Aid, einer NGO die Bücherspenden sammelt und sie in Länder versendet, die diese benötigen. Beispielsweise solche Projekte wie TAYODEA, die hier in der Gegend noch eine weitere kleine Schulbücherei aufgebaut hat, sind Empfänger dieser Spenden. Als damals das Jugendzentrum im Rahmen eines Workcamps aufgebaut wurde und später ein Regal beim Schreiner in Auftrag gegeben wurde, hat vielleicht keiner damit gerechnet, dass die Bücherspenden so zahlreich ankommen würden. Sprich das Regal platzte aus allen Nähten. Während diesem Jahr habe ich mit Glory in das so oder so schon volle Regal immer weiter Bücher stellen müssen, nachdem alle Lieferungen gezählt und notiert wurden. Innerlich sträubte ich mich jedes mal noch mehr Bücher dazuzustellen, aber sie in den Kisten verstauben zu lassen war ja auch wirklich keine Alternative. Glory war für ein paar Tage unterwegs und so machten Theresia und ich uns ans Werk. Das Regal, was aus unerfindlichen Gründen rechteckige Fächer hatte, musste erst einmal ausgeräumt werden um mal wieder einen Überblick zu bekommen was da überhaupt drinnen ist. Da in so ziemlich allen Fächern zwei Bücherreihen aufeinander gestapelt waren, entschieden wir uns dazu vom Schreiner je ein Zwischenbrett anfertigen zu lassen. Besagter Schreiner hat seine Schreinerei praktischerweise direkt hinter dem Jugendzentrum also holten wir ihn kurzerhand zu uns, um ihm unsere Pläne zu erklären. Leichter gesagt als getan 😀 Auch wenn das mit dem Kiswahili mittlerweile ziemlich gut hinhaut, wir ihm zusätzlich mit Händen und Füßen sowie einer unmissverständlichen kleinen Skizze unser Vorhaben erklärten, war es doch ein kleines Drama bis er richtig verstanden hatte, was wir wollten. …Nein, keine Türen vornedran …und auch nicht noch zusätzliche Unterteilungnen …Ja, ein Brett pro Fach reicht! Genauso wie  die Skizze wollte er einfach nicht. Mittlerweile, alle am lachen, hat Theresia schon aus Büchern ein Modell gebaut, was ihm dann scheinbar die Augen geöffnet hat. Am nächsten Morgen wurden wir wieder in die Schreinerei gerufen und haben alles erneut erklärt, er wollte sich nochmal absichern.. ahhhh 😀 . Nochmal 2 ½ Stunden später stand dann tatsächlich das erste kleine Zwischenbrett im Jugendzentrum. Was lange währt wird endlich gut! 🙂 In der Zwischenzeit haben Theresia und ich weiter sortiert und aussortiert, da manche Bücher (wirklich) 100fach da waren und ich in meiner
Zeit bisher tatsächlich noch nicht von 100 Zweitklässlern überrascht wurde, die alle unbedingt und ohne Alternative genau das eine gleiche Buch lesen wollten.. und ich glaube auch wirklich nicht, dass dies geschehen wird 😀 David war Ende der Woche dann zu Besuch und wir entschieden daher solche Bücher weiterzuleiten, die mehrfach da sind. Insgesamt ließen wir neun Zwischenbretter anfertigen und als mit ach und krach dann alle ihren Platz gefunden hatten, sortierten wir endlich alle Bücher wieder ein. Dieses mal mit System und kleinen Hinweisschildchen für kommende Lieferungen und die zukünftigen Bücherei-Besucher. Theresia und ich waren echt Happy als es geschafft wurde und auch von Glory und  David wurde diese Veränderung sehr begrüßt! Ebenso mit David haben wir besprochen, dass die Kooperation mit Book Aid für diese Bücherei vielleicht erst mal Pausiert werden sollte. Es sind mehr als genug Bücher für alle „Mbeleier“ da und im Vorraum warten schließlich immer noch zwei Kisten drauf in das Regal zu kommen. Desweiteren haben wir überlegt, jetzt, wo man wieder eine Übersicht hat, wieder (oder endlich… ich weiß nicht genau ob es das schon gab) ein  Ausleihsystem aufzubauen und die Bücherei öffentlicher zu machen. Wahrscheinlich werde ich das versuchen  anzufangen und meine Nachfreiwilligen (jaa, es werden zwei Freiwillige hier ab August in die Berge kommen) es  hoffentlich weiter ausbauen.
Mit dem Fundi beim Messen. Im Hintergrund sieht man das besagte Chaos bis unter die Decke.
Fertig!
Eine Wimpelkette mit den Kids… Hier liegen schon wieder 10 weitere rum, die da bald hängen möchten 🙂

Nachmittags waren wir diese Woche auch täglich bei den Kindern und haben wie immer zusammengelesen, geredet,  gemalt oder gespielt. Dass Theresia da war, hat es diese Woche um einiges entspannter gemacht, da inzwischen relativ viele Kinder da sind und auch ein paar 3jährige Geschwisterkinder zwischen allen rumwuseln, die es auch noch mit im Blick zu haben gilt. 🙂 Wir haben Armbänder geflochten, aus Chipsdosen (da hat sich dieses Vergnügen ja doppelt gelohnt) ein Dosenwerfen mit Mehl-Luftballon-Bällen gebastelt, welches super angekommen ist oder einfach Fußball gespielt (spielen lassen 😉 ). Die mitgebrachten Seifenblasen sind auch der Hit bei den Kindern, man muss nur schauen, dass sich nicht alle umrennen dabei 😀

Zuhause haben Theresia und ich diese Woche zwei Mal für alle gekocht, was mal wieder eine schöne Abwechslung war, komplett selbst Hand anzulegen und nicht immer nur bisschen zu schnippeln… Es gab Spaghetti (und wieder, wie auch das vorige Mal, für alle anderen ungewohnt, dass die Nudeln salzig und nicht süß waren) und wir haben Chapati mit Guakamole gemacht (bei einem Avocado-Preis von etwa 10ct macht man da auch gerne viel von). Chapati wird von mir
sicher im Gegensatz zu Ugali oder Reis mit Bohnen in Deutschland des öfteren mal nachgemacht, die sind so lecker (und so gaaar nicht fettig 😀 )!

Spaghetti in the making

Theresia ist mittlerweile wieder in Tanga angekommen und vor mir liegen etwa 90 Bio-Examen die korrigiert werden möchten. Die meisten Schüler sind schon nicht mehr in der Schule diese Woche, da Freitag der letzte Tag ist und hier in der Woche davor schon Aufbruchstimmung angesagt ist. Für mich geht es dann, wenn die Ferien angefangen haben, einmal nördlich über die Grenze nach Kenia. Ich werde den Freiwilligen dort einen kleinen Besuch abstatten und anschließend noch eine Woche in Mombasa verbringen… soweit jedenfalls der Plan 🙂
Um noch ein paar Worte über das Wetter hier zu verlieren, nach meinem vorigen Jammer Post… Kurz nachdem ich diesen hochgeladen hatte, wurde es teilweise leider noch schlimmer. In Tanga sind Häuser abgerutscht, hier war die Straße aus den Bergen heraus eine Woche lang gesperrt und sämtliche Leute haben dann auch gesagt, dass das mit einer der schlimmsten Regen war, den sie bis jetzt mitbekommen hatten. Der Spuk ist glücklicherweise mittlerweile so gut wie vorbei und es regnet jetzt zwar noch hin und wieder, aber die liebe Sonne lässt sich auch mal blicken und trocknet fix den Matsch auf den Straßen. Großes Aufatmen ist also angesagt… 🙂

Auf dem Heimweg.

Regenzeit

Es folgt ein Mimimi-Post. Sorry.

Um mal mit einem Facebook-Post der lieben Madame Amina (Lehrerin an der Secondary) zu starten: „We live in a very wonderful world! One part hot and wet, another hot and dry, another cold and dry but here always cold and wet troughout the year!“ (auf Deutsch: „Wir leben in einer wundervollen Welt! Ein Teil heiß und nass, ein anderer heiß und trocken, ein anderer kalt und trocken aber hier ist es immer kalt und nass im ganzen Jahr!“) Ich denke besser kann ich meine derzeitige Situation hier nicht beschreiben. Dem Post beigefügt ist ein Bild ihrer selbst… lachend. Mir ist leider nicht so zumute. 😀

Seit Anfang April regnet es nun schon… das alles war anfänglich eher sporadisch so hin und wieder und durchaus erträglich. Auch meine Familie zu Besuch im März hatte damals das kurze Vergnügen den Regen im wahrsten Sinne des Wortes hautnah mitzuerleben. 😀 Kurz lustig aber auch schon da war ich genervt… Regen ist nass, kalt und alles wird dreckig. Bah. Also es ist nicht so, dass ich Regen gar nicht mag. Im Bett mit einer dicken Decke, einem Kaffee und ’nem Raum mit Fensterscheiben (!) lässt er sich schon mal einen Tag aushalten 😀 Da sich hiervon lediglich Punkt Nummer 1 erfüllen lässt, kann man sich vorstellen wie meine Stimmung diesbezüglich ist. Ich versuche mich immer wieder zu besinnen, dass es ja eigentlich etwas Tolles ist und freue mich auch wirklich für die Bauern, die so lange darauf gewartet haben und schnell mit dem Samen setzen anfingen, da die letzte Regenzeit zu wünschen übrig ließ. Mittlerweile ist es (wenn die Sicht nicht grade von einer vorbei schwebenden Wolke oder Nebel verdeckt wird) noch grüner als es eh schon war und echt schön! Auch ist hiermit allen geholfen, die sonst das Wasser auf dem Kopf von der etwa 5 Minuten entfernten allgemeinen Wasserstelle zu unserem Haus tragen mussten, denn bei Regen die Tonnen unter das Dachrinnenrohr der Nachbarn zu stellen reicht mittlerweile doppelt und dreifach für alles aus. Zwei der paar positiven Folgen, über die wir alle am Anfang wirklich froh waren!

Am Anfang. Nun sieht es schon wieder anders aus. Seit etwa zwei Wochen prasselt es nahezu durchgängig 24/7 auf uns herab. Tag und Nacht wechseln sich Starkregen á la „Ich verstehe mein eigenes Wort nicht mehr“, Regen-Regen, Nieselregen und Micro-Regenpausen miteinander ab. Das alles hat Folgen… die Pflanzen auf den Feldern sind laut meiner Gastmutter langsam zu durchnässt, die Straßen sind komplett ausgewaschen oder so vermatscht, dass es einem kaum möglich ist zu laufen, der Regen bringt die Kälte mit, die Wäsche trocknet nicht mehr, das Dach unserer Küche lässt zu wünschen übrig, die Kinder können nicht zur BabyClass kommen, ich komme nicht in die Schule, der Strom fällt ständig aus und allgemein sind alle ziemlich unmobil und (oh Wunder) nass. Ständig. Und wenn ich im Bett liege und plötzlich Regentropfen durch das Fenster auf mich prasseln, weil der Wind so stark war, dann ist es endgültig zu viel des Guten!

Ich weiß, es geht vorbei und die Menschen hier haben das jedes Jahr so und dafür haben sie auch großen Respekt meinerseits (ein großer Teil der Menschen lebt hier auch in Lehmhäusern, was wahrscheinlich eine weitere Hürde darstellt) und trotzdem musste ich grade hier mal einen kleinen „Mimimi-post“ machen.. Egal wo man hinkommt (wenn man denn hinkommt 😀 ) wird sich aber bei einem für den Regen entschuldigt. „Pole na mvua“, was soviel heißt wie „Es tut mir leid für den Regen“ hört man hier zur Zeit immer. Danke… lieb gemeint aber ändern tut es leider grade gar nichts.

Und was ist die Lösung für das alles? Abwarten und Tee trinken. Also wirklich! Ich wie immer ohne Zucker, der Rest mit. (Nahezu wagemutig haben das alle aus meiner Familie hier auch mal probiert und als ungenießbar abgestempelt… ich glaube die Liebe zum Zucker bekommt man hier schon mit der Muttermilch 😀 )

Der nächste Blogpost wird dann hoffentlich wieder Regenfrei und glücklicher. 🌞☔

Die „Aussicht“

Mein Schulweg letzte Woche