Goodbye Trude

„The Strangers“ (wie meine Gastmutter sie bis zum Treffen stets liebevoll genannt hat) aka meine Familie (beziehungsweise ein Teil dieser) waren bis vor zwei Wochen hier im Lande. 6 Tage Safari, 4 Tage in den Bergen bei mir und nochmal 4 Tage Indischer Ozean standen auf dem Programm.

Nach einer Nacht in dem völlig vermatschten und verregneten Gebirge bei Pauls Familie kämpfte (rutschte) ich mich am nächsten Morgen den Berg wieder runter und mit einer kleinen Auswahl Tansanischer Spezialitäten saß ich auch schon im Bus in Richtung Flughafen. Dort angekommen erwartete mich eine große Empfangshalle mit Bänken, Klimaanlage und Kaffee. Nicht. 😀 Der Empfangsbereich war unmittelbar hinter der Gepäckannahme vor der Tür des Flughafens. Ich machte es mir also auf dem Boden gemütlich und wartete… versuchte zwischendurch noch einem französischem Paar zu helfen, die dringend mal Internet brauchten was eigentlich ja durch 7 ½ Jahre mehr oder minder fleißigem Französisch-Pauken kein Problem sein sollte. Ja.. was soll ich sagen, ich hätte es kaum für möglich gehalten aber seit mittlerweile fast 8 Monaten hat das Kiswahili dann gesiegt und sich ein bisschen Platz in meinem Sprachzentrum gemacht. Ich habe kaum ein Wort richtig rausbekommen und musste sehr über mich selbst lachen, aber auch mit einem Gemisch aus Kiswahili und Französisch ließ es sich letztendlich verständigen und ich denke es ist nach diesem Jahr nur wieder eine Sache der Zeit, dass auch das Französisch wieder mehr oder minder sitzt 🙂 Dann waren sie endlich da. Die Wiedersehensfreude war groß und wir hatten die Fahrt erstmal viel zu erzählen und (mich ausgeschlossen) sehr viel zu schauen. Ich erinnerte mich an meine erste Busfahrt von Daressalam nach Tanga in der auch ich ständig das bunte Treiben vor der Scheibe beobachtete, da es doch sehr anders im Vergleich zu Deutschland ist.

Die nächsten Tage haben wir täglich im Geländewagen mit Max aus Arusha verbracht. Er war unser super sympathischer Guide, der uns durch die vielen Parks gefahren hat (bis auf die zwei male, in denen er mir eine riesen Freude machte und mir das Lenkrad kurz überließ 🙂 ) und uns echt eine Menge über die Tiere und das Land allgemein erzählen konnte. Elefanten und Hyänen direkt vor dem Zelt mitten in der Serengeti, eine Tzetze-Fliegen-Plage, einem unerwünschten Affen im Auto und vielen, vielen wunderbaren Erlebnissen und Eindrücken später, war leider die Zeit in den Nationalparks auch schon vorüber und die von meiner Familie befürchtete Busfahrt in die Berge stand an.

Mit einem Luxury Bus (Befürchtungen nicht bestätigt und begeisterte Marie 😀 ) ging es zu mir nach Hause. Also fast jedenfalls. Da dann noch vier mehr Personen die Kapazität unseres Hauses überschritten hätte, schliefen alle in Lushoto. Das Wetter war ein Träumchen und nichts im Vergleich wie es die Woche vorher (Regen, durchgängig) und die Woche danach (Regen, durchgängig) war und wurde. Nach der ersten Bodabodafahrt für meine Familie stand Samstags dann die große Familienzusammenführung an und es wurde zusammen erzählt, gelacht, gegessen und mit den Kindern gespielt. Es war erstmal kurz ungewohnt zu zeigen, wo, wie und mit wem ich so wohne, da man ja doch irgendwie sein Leben hier aufbaut und einrichtet und lediglich mit Fotos kleine Schnipsel rüberbrigen konnte. An diesem Tag findet man auch den Grund der Namensgebung dieses Artikels. Erinnert sich hier noch jemand an Trude? Ich glaube ich habe sie in einem der ersten Artikel hier erwähnt. Trude, die eigentlich ein Hahn ist (Ups, das wusste ich zu dem Zeitpunkt der Namensgebung leider noch nicht), hat seit ich letztes Jahr ankam hier gewohnt. Oft hat meine Mutter von gesprochen, dass wenn „the Strangers“ („die Fremden“) kommen, wir Trude essen würden weil sie dann ja groß und dick wäre. An jenem Morgen um 9:32 Uhr schickte ich, naiv, auch noch eine Whatsapp an meine Familie (zu dem Zeitpunkt in Lushoto) mit dem Inhalt „Trude lebt übrigens.“. Dass ich sie zu diesem Zeitpunkt das letzte Mal gesehen habe war mir leider nicht bewusst 🙁 Ich ging meine Familie abholen, sodass sie am Busbahnhof in Soni nicht von den Bodaboda-Fahrern überrannt würden und als wir wieder zuhause waren und ich vergeblich nach besagtem Hahn suchte, fragte ich letztendlich mal meine Gastmutter, die nur auf den Topf zeigte und lachte. Tatsächlich war das Trude und ich hatte es nicht für möglich gehalten, dass sie in dieser Zeit das Zeitliche segnen würde. So war es aber nun mal. Also Danke Trude und RiP! Nachdem wir also einen tollen Tag zusammen hatten und für Sonntag eine kleine Wandertour durch den Regenwald geplant war (TAYODEA ist nämlich auch eine Touristen-Ausflugs-Oranisation) verabschiedete auch ich mich und wohnte für den Rest der Zeit mit in Lushoto. Nach der Tour ging es noch zusammen auf den Markt, wo Sheila und Mama Power-Kitenge-Shopping betrieben. Es hat Spaß gemacht durch die kleinen Gassen von den Verkaufshüttchen zu schlendern, neue Sachen zu entdecken und meiner Familie Tanzania näherzubringen. Kurz vor dem Rückweg wurde noch die Sambosa (kleine superleckere dreieckige Teigtaschen) Lust befriedigt, da ich alle erfolgreich damit angesteckt habe und der Tag neigte sich auch langsam dem Ende zu. Zum Wochenstart fanden wir uns alle nochmal in der Schule ein und waren zum Mittagessen erneut bei mir zuhause.

Mishkaki (heißt wörtlich übersetzt Fleischspieß) mit Sheila

So Endete dann auch die Zeit hier in den Bergen und mit einem Coaster ging es am nächsten Morgen nach Tanga. Etliche Speedbumps später (jaa man merkt den Unterschied zum luxury Bus 😀 ) wurden wir in Tanga eingesammelt und es ging an die letzte große Station der Reise. Pangani, beziehungsweise Ushongo sollte es sein. Dort erwartete uns ein salziges Meer, Palmen und kleine Beach-Cottages. Zutaten für vier weitere tolle Tage und einem wunderbaren Abschluss für unsere Zeit zusammen. Am Abfahrtstag wurde ich in einem kleinen Ort rausgelassen, wo ich hoffte, dass der Angekündigte Bus nach Tanga dann auch wirklich kommt. Der Rest ist Richtung Süden weitergefahren um den Flieger in Daressalam zu erwischen. Der Bus kam dann auch… und ich traute meinen Augen nicht. Noch nie vorher bin ich in einem so überfüllten Bus gefahren und das mag was heißen. Persönlicher Freiraum war Fehlanzeige und ich musste auch die vollen 2 Stunden nach Tanga stehen, die Erleichterung an der Ankunft war riesig. Schnell noch einmal Coaster fahren und schon war ich wieder zuhause. Begrüßt wurde ich von einem weiteren Familienmitglied, das einen Tag vorher das Licht der Welt erblickte. Karibu Rehema! Meine Eltern, Sheila und André waren inzwischen schon wieder auf dem Heimweg und ich ließ mich müde ins Bett fallen.

Schnorcheln am Rande einer kleinen Insel, die nur bei Flut zu erreichen ist.

Violet, eine Tochter meiner Gastmutter mit ihrer Tochter Rehema.

Es war ein ganz besonderer und schöner Urlaub und ich war sehr froh, die vier hier in Tanzania begrüßen zu dürfen!

Hier war dann zwischenzeitlich Full-House mit 10 Menschen (inklusive zwei Neugeborenen), die hier nächtigten und alle gehören irgednwie zur Familie (das zu erklären erspare ich euch mal :D). Aber ich mag das. Ein bisschen Trubel und immer was zu tun, zu spielen oder zu erzählen… Da meine Familie ja eigentlich während der Ferienzeit hier wäre und ich direkt nach dem Urlaub wieder in die Schule gegangen wäre, aber der Staat einfach mal die Ferienzeit um zwei Wochen verschoben hat, bin ich grade zu Beginn der Osterferien wieder gekommen… Zufällig hat aber vor zwei Wochen die Baby-Class von TAYODEA hier im Ort begonnen, wo ich dann alternativ hingehen konnte. Dazu gern ein ander mal mehr 🙂 Die Ostertage verbringe ich nun in Tanga mit Theresia, die ebenfalls aus der Heimat Besuch da hat, ich freu mich drauf.

Backe, backe Kuchen…

…stellte sich hier als gar nicht soo leicht heraus. (Dies ist ein Nachtrag-Artikel, ich hatte es leider nicht geschafft, ihn rechtzeitig hochzuladen, da ich Besuch erwartete und dann erstmal ein bisschen Programm anstand. Mehr dazu aber im nächsten Eintrag 🙂 )
Mitte März stand also mein Geburtstag an und da hatte ich mir vorgenommen, meiner Familie eine kleine Überraschung zu machen, indem ich einen Kuchen selbst backen würde. Was daran so besonders sein soll? Einmal zurück besinnen, auf was wir hier kochen, und da fällt einem auch schnell auf, was fehlt… Der Ofen. Da in Tanzania so ziemlich jede Familie auf Feuer oder einem Gasherd kocht, hat fast niemand hier einen Ofen (vielleicht ist diese Tatsache auch einer der Gründe, warum so viel frittiert wird, was wir in Deutschland einfach mal schnell in den Ofen schmeißen würden). Kuchen ohne Ofen backt sich leider schlecht. Die Lösung? An einem der ersten Tage hier in den Bergen hat David uns mal mitgenommen zu der Katholischen Kirche im Nachbarort von Kwekibaa (so etwa 10 Minuten zu Fuß), der sich mehrere Gebäude anschließen und wo auch ein paar Schwestern wohnen. Der Komplex wurde vor vielen, vielen Jahren mal von einem deutschen Pfarrer erbaut und daher kam mir vieles bekannt vor. Die Küche hatte ich vorher noch nicht gesehen, aber ich wusste, es müsse irgendwo einen Ofen geben, da wir damals für Abdulis Geburtstag dort einen Kuchen abgeholt haben. Theresia kam also über das Wochenende zu Besuch und gemeinsam fanden wir uns „Hodi“-rufend vor dem Schwesternhaus wieder. Die Sache mit „Hodi“ hatte ich bis jetzt noch gar nicht erwähnt… Besagtes Wort heißt in etwa sowas wie „Hallo“, jedoch wird es nicht in einer normalen Konversation (wie zum Beispiel auf der Straße) genutzt, sondern man ruft/sagt das Wort, bevor man irgendwo eintreten möchte. Sei es jetzt ein Haus, dann fungiert es als Klingelersatz oder auch wenn man vor einem Zimmer steht, in dem Fall ein Klopfersatz. Man wartet auf ein „Karibu“ („Willkommen“) des Gegenüber und tritt dann erst ein. Irgendwann hat uns dann auch mal eine Schwester gehört und entfernt vernahmen wir ihre „Karibu“-Rufe. Als wir die stockdunklen Treppen runter gefunden hatten, standen wir auch schon in der Küche und zwei Schwestern begrüßten uns strahlend. Ich kam mir in der Küche wirklich wie in einem vergangenen Deutschland vor, auch mal ganz lustig. Die Schwestern freuten sich über unser Anliegen und wir sollten einfach am folgenden Tag kommen und dürften backen. Auf dem Rückweg wurden noch die Zutaten zusammengesammelt (fast hätte es Kuchen mit Ugalimehl gegeben… eher nicht zu empfehlen) und meine Mutter steuerte noch frische Milch bei, da es hier keinerlei Kühlschränke in den kleinen Shops gibt, sprich es gibt auch keine Milch zu kaufen. Am nächsten Morgen ging es mit dem Rezept in der Hand dann also los. Eine Sister war die meiste Zeit mit uns in der Küche und wir hatten einen echt schönen Vormittag! Nach einem halben Jahr mal wieder mit einer Waage, einem Schneidebrettchen und verschiedenen Kuchenformen zu arbeiten war erstmal ganz ungewohnt. Der Teig war fix gemacht, das Rezept wurde individualisiert 😉 und der Kuchen wanderte dann in den Holzkohleofen. Da sich in der Zwischenzeit kurzfristig der Bischof aus Tanga zum Mittagessen angekündigt hatte (natürlich spontan 😛 ) wurden wir gebeten, doch bitte noch einen Kuchen für ihn zu backen. Also standen 15 Minuten später dann zwei Kuchen im Ofen… Und da die Aussicht, dass irgendeiner von den Kuchen in naher Zukunft fertig sein würde, aufgrund der recht niedrigen Temperatur gering war, machten wir uns dann noch nützlich und konnten bei der Essensvorbereitung helfen. Kurzerhand wurde groß aufgetischt, sprich es gab viel zu tun. Eine Stunde später war der Kuchen dann auch mal durch und wir konnten uns auf den Heimweg machen.
Der nächste Tag verlief ganz entspannt… Mittags fand ich mich 100 Meter den Berg hinter unserem Haus hoch wieder (hier, mitten im Feld, habe ich einen kleinen Spot entdeckt, an dem ich doch tatsächlich genug Internet zum skypen habe 🙌) und konnte meiner Familie in Deutschland kurz Hallo sagen. Wieder zuhause, bereiteten Theresia und ich massenhaft Passionsfrüchte für den Saft vor, den wir später zusammen trinken wollten. Glory und Abduli waren leider unterwegs, also hatten wir genug Kuchen, um nachdem wir hier zuhause gegessen und klein gefeiert haben, auch noch Bibi (Großmutter) zu besuchen, um ihr ein bisschen davon zu bringen. Über den Teil vom Kuchen, der dann immer noch übrig war, freuten sich die Lehrer am nächsten Tag.
Viel mehr war es nicht, aber trotzdem wird er mir in schöner Erinnerung bleiben, mein 20. Geburtstag in Tanzania.