Backe, backe Kuchen…

…stellte sich hier als gar nicht soo leicht heraus. (Dies ist ein Nachtrag-Artikel, ich hatte es leider nicht geschafft, ihn rechtzeitig hochzuladen, da ich Besuch erwartete und dann erstmal ein bisschen Programm anstand. Mehr dazu aber im nächsten Eintrag 🙂 )
Mitte März stand also mein Geburtstag an und da hatte ich mir vorgenommen, meiner Familie eine kleine Überraschung zu machen, indem ich einen Kuchen selbst backen würde. Was daran so besonders sein soll? Einmal zurück besinnen, auf was wir hier kochen, und da fällt einem auch schnell auf, was fehlt… Der Ofen. Da in Tanzania so ziemlich jede Familie auf Feuer oder einem Gasherd kocht, hat fast niemand hier einen Ofen (vielleicht ist diese Tatsache auch einer der Gründe, warum so viel frittiert wird, was wir in Deutschland einfach mal schnell in den Ofen schmeißen würden). Kuchen ohne Ofen backt sich leider schlecht. Die Lösung? An einem der ersten Tage hier in den Bergen hat David uns mal mitgenommen zu der Katholischen Kirche im Nachbarort von Kwekibaa (so etwa 10 Minuten zu Fuß), der sich mehrere Gebäude anschließen und wo auch ein paar Schwestern wohnen. Der Komplex wurde vor vielen, vielen Jahren mal von einem deutschen Pfarrer erbaut und daher kam mir vieles bekannt vor. Die Küche hatte ich vorher noch nicht gesehen, aber ich wusste, es müsse irgendwo einen Ofen geben, da wir damals für Abdulis Geburtstag dort einen Kuchen abgeholt haben. Theresia kam also über das Wochenende zu Besuch und gemeinsam fanden wir uns „Hodi“-rufend vor dem Schwesternhaus wieder. Die Sache mit „Hodi“ hatte ich bis jetzt noch gar nicht erwähnt… Besagtes Wort heißt in etwa sowas wie „Hallo“, jedoch wird es nicht in einer normalen Konversation (wie zum Beispiel auf der Straße) genutzt, sondern man ruft/sagt das Wort, bevor man irgendwo eintreten möchte. Sei es jetzt ein Haus, dann fungiert es als Klingelersatz oder auch wenn man vor einem Zimmer steht, in dem Fall ein Klopfersatz. Man wartet auf ein „Karibu“ („Willkommen“) des Gegenüber und tritt dann erst ein. Irgendwann hat uns dann auch mal eine Schwester gehört und entfernt vernahmen wir ihre „Karibu“-Rufe. Als wir die stockdunklen Treppen runter gefunden hatten, standen wir auch schon in der Küche und zwei Schwestern begrüßten uns strahlend. Ich kam mir in der Küche wirklich wie in einem vergangenen Deutschland vor, auch mal ganz lustig. Die Schwestern freuten sich über unser Anliegen und wir sollten einfach am folgenden Tag kommen und dürften backen. Auf dem Rückweg wurden noch die Zutaten zusammengesammelt (fast hätte es Kuchen mit Ugalimehl gegeben… eher nicht zu empfehlen) und meine Mutter steuerte noch frische Milch bei, da es hier keinerlei Kühlschränke in den kleinen Shops gibt, sprich es gibt auch keine Milch zu kaufen. Am nächsten Morgen ging es mit dem Rezept in der Hand dann also los. Eine Sister war die meiste Zeit mit uns in der Küche und wir hatten einen echt schönen Vormittag! Nach einem halben Jahr mal wieder mit einer Waage, einem Schneidebrettchen und verschiedenen Kuchenformen zu arbeiten war erstmal ganz ungewohnt. Der Teig war fix gemacht, das Rezept wurde individualisiert 😉 und der Kuchen wanderte dann in den Holzkohleofen. Da sich in der Zwischenzeit kurzfristig der Bischof aus Tanga zum Mittagessen angekündigt hatte (natürlich spontan 😛 ) wurden wir gebeten, doch bitte noch einen Kuchen für ihn zu backen. Also standen 15 Minuten später dann zwei Kuchen im Ofen… Und da die Aussicht, dass irgendeiner von den Kuchen in naher Zukunft fertig sein würde, aufgrund der recht niedrigen Temperatur gering war, machten wir uns dann noch nützlich und konnten bei der Essensvorbereitung helfen. Kurzerhand wurde groß aufgetischt, sprich es gab viel zu tun. Eine Stunde später war der Kuchen dann auch mal durch und wir konnten uns auf den Heimweg machen.
Der nächste Tag verlief ganz entspannt… Mittags fand ich mich 100 Meter den Berg hinter unserem Haus hoch wieder (hier, mitten im Feld, habe ich einen kleinen Spot entdeckt, an dem ich doch tatsächlich genug Internet zum skypen habe 🙌) und konnte meiner Familie in Deutschland kurz Hallo sagen. Wieder zuhause, bereiteten Theresia und ich massenhaft Passionsfrüchte für den Saft vor, den wir später zusammen trinken wollten. Glory und Abduli waren leider unterwegs, also hatten wir genug Kuchen, um nachdem wir hier zuhause gegessen und klein gefeiert haben, auch noch Bibi (Großmutter) zu besuchen, um ihr ein bisschen davon zu bringen. Über den Teil vom Kuchen, der dann immer noch übrig war, freuten sich die Lehrer am nächsten Tag.
Viel mehr war es nicht, aber trotzdem wird er mir in schöner Erinnerung bleiben, mein 20. Geburtstag in Tanzania.