Halbzeit

​Mein Zimmer aufschließen und zu Hause ankommen, tief durchatmen und sich erst einmal aufs Bett schmeißen. Das Gefühl ist auch tausende Kilometer von Deutschland entfernt das Selbe. (Notiz an mich: Vielleicht nicht mit voller Wucht aufs Bett schmeißen, wer weiß was das alles so aushält. Es soll schon vorgekommen sein, dass Nachts mitten im Tiefschlaf sich einfach mal die eine Ecke des Gestells inklusive Lattenrost verabschiedet und die Matratze mit völlig erschreckter und verwirrter Marie auf dem Boden landete 😀 )

Vor einem halben Jahr war das für mich noch schwer zu glauben, wie es sich anfühlen wird, wenn man sagt „Ich gehe dann mal heim.“ eben nicht nach Nierstein sondern nach Kwekiba zu gehen. Dort hoffen, dass das Schloss an der Haustür nicht klemmt (beziehungsweise nicht mit dem falsche Schloss, zu dem ich keinen Schlüssel habe, zu geschlossen ist) und hinter dem Vorhang meine Zimmertür zu finden.

Ja, richtig gelesen: ein ganzes halbes Jahr ist nun vorüber. (Ob „ein ganzes halbes Jahr“ sich jetzt komisch anhört und grammatikalisch wahrscheinlich auch falsch ist, soll mir grade mal egal sein. Anders kann ich es nicht in Worte fassen: Hallo?! 6 Monate… 6 mal den Jakobsweg laufen… 26 Wochen… die 13. Stufe noch einmal machen…) Vor einem halben Jahr war ich im Pack- und „Tschüss sagen“-Stress, konnte es kaum glauben, dass dass es jetzt tatsächlich losgeht und hatte ein ziemlich unklares Bild von Tanzania und allem was mich erwarten würde. Heute kann ich wirklich sagen, dass ich mich hier sehr wohl fühle und angekommen bin! Einen großen Teil hierfür verdanke ich sicher meiner Gastfamilie, die mich mit offenen Armen empfangen hat, mir Tansania näher gebracht hat und mir hilft, es zu verstehen… sprachlich wie auch kulturell. Außerdem natürlich auch allen anderen Menschen mit denen ich zu tun habe und Zeit verbringe. Ob jetzt im Projekt mit den Kindern, in der Schule mit den Lehrern oder andere Freiwillige mit denen ich hier so lebe. Ich haben in diesen sechs Monaten schon viel erlebt, gesehen und ganz viel gelernt. Vieles ist sicher nicht so gelaufen, wie es hätte sein sollen aber auf der anderen Seite wen interessiert schon wie es „hätte sein sollen“… Es kam viel drauf an, was man daraus gemacht hat und auch wenn es manchmal einfach genervt hat sich mit sämtlichen Behörden auseinanderzusetzen und wochenlang auf irgendwelche Papiere zu warten. So hatte ich zum Beispiel die Möglichkeit, andere Projekte zu besuchen oder meine Umgebung besser kennen zu lernen. 🙂

Ich muss oft darüber nachdenken, was für ein krasses Privileg das alles hier für mich ist und ich bin sehr dankbar dafür, dass es diese Möglichkeit gibt und vor allem froh, dass ich sie damals genutzt habe. Nun Sitze ich hier auch dank der Mithilfe und Unterstützung von ganz vielen Menschen daheim und darf euch alles von meiner Zeit hier berichten.

Die Zahlen, wann es für mich zurück geht, fangen doch tatsächlich schon an kleiner zu werden und gerade weil ich weiß, was hier noch so auf mich wartet, kommt mir das alles gar nicht mehr so lange vor, bis es für mich wieder nach Deutschland geht. 😮

Also auf in die zweite Hälfte… ich freue mich drauf weitere Ecken Tanzanias zu erkunden, Erfahrungen zu sammeln und eine Verbindung zu einem so aufgeweckten, bunten und diversen zu knüpfen und natürlich immer mal wieder hier ein bisschen was von mir hören zu lassen!
Hier sind noch ein paar Fotos von letzter Zeit.. Alles gemischt und ohne Reihenfolge 😉

Im Jugebdzentrum haben wir Schiffchen gebastelt
Meine Familie hat Nachwuchs 🙌 Das ist Whitney die Tochter von Sarah

Ein Ausflug nach Pangani…
Streetfood in Tanga. Super schön, wenn abends alle ihre Grills oder Öllampen auspacken und es für wenig Geld leckere Sachen gibt

Im Unterricht
Ich habe für meine Familie Fussili mit Tomatensauce gekocht. Sie waren erst ein wenig skeptisch weil ich die Nudeln nicht wie üblich mit Zucker angebraten habe sondern im Wasser Salz war. Ich fand es ganz wunderbar und ihnen hat es glaube ich auch geschmeckt 😁🍝
Zu ihrem Geburtstag waren wir mit Theodora, Theresias Gastschwester, schwimmen.
Seit Anfang des Jahres geht Abduli jetzt schon in die „Schule“ und diese goldische Schuluniform kann ich euch nicht vorenthalten 🙂
Statt Mais kann man auch Cassava (Maniok) nehmen um Mehl für Ugali herzustellen. Das wird dann in einem Riesenmörser zubereitet. Ich durfte auch mal ran aber wurde direkt wieder abgelöst… Hauptsächlicht weil sich hier alle immer drum bemühen, dass ich ja nicht zu lange in der Sonne stehe und weil mein Rock ja dreckig werden könnte 😀
TAYODEA (das jerzt übrigens NAF New Age Foundation heißt) Jahresmeeting