Von Visaproblemen und tansanischen Partymarathons

Jaa… was war eigentlich los in den letzten Wochen? Um dies schon mal vorwegzunehmen: der letzte Stand hat sich leider noch nicht wirklich verändert. Sprich ich darf nun mittlerweile schon seit meinem Trip nach Singida nicht arbeiten, was echt unglücklich ist. Dazu schreib ich am Ende noch ein paar Neuigkeiten.
Der Alltag ohne Arbeit… Da ist er nun, der Traum aller Schüler (auch meiner in den endlosen Mathestunden): einfach mal nichts tun und frei haben. Lasst es euch sagen: Nicht cool! Gar nicht cool! (Jedenfalls nicht auf Dauer und in einem Mini-Ort wo ich lebe) Es gab Tage an denen die Wäsche gewaschen, das Essen gekocht, das Zimmer aufgeräumt (Jaa, auch ich kann das! 😀 ) und etliche Nachbarn besucht waren und ich einfach frei hatte. Da kann sich so ein Vormittag wirklich mal hinziehen. Nachmittags gehen wir meistens in das Jugendzentrum und kümmern uns um dieses und die Bibliothek. Lieferungen annehmen, zählen und einsortieren, mit den Kindern spielen oder draußen Unkraut jäten und einfach mal klarschiff machen… Da ich viel hier in der Gegend rumkomme lerne ich so ein bisschen mehr das Dorfleben kennen, was auch mal ganz schön ist. Ich konnte die Gegend weiter erkunden und ich bekomme langsam auch ein wenig Orientierung „hintenraus“. Außerdem fand ich es echt cool mal auf eine Konfirmationsfeier hier zu gehen. Das hätte ich nicht gekonnt, wenn ich zur Schule gegangen wäre, denn die kirchliche Feier ist Sonntags aber die eigentliche Feier immer innerhalb der Woche danach. (Zu dem Zeitpunkt wusste ich noch nicht, dass noch 3 ½ derartige Feiern folgten 😀 ) Das Wetter ist hier übrigens mittlerweile wunderbar! Tagsüber heizt die Sonne und Abends bleibt es stets angenehm und man friert nicht mehr. Da kann man auch mal knapp zwei Stunden den Berg, den ich sonst mit dem Bodaboda hochfahre, durch die steilen Felder hochlaufen ohne zu zerlaufen, wie es in Tanga der Fall wäre 😀

Ein weiterer Grund für die zig Tücher, die alle Frauen hier immer an sich tragen… Quengelt das Kind wird es einfach schnell aufgebunden.

Unsere neuste Errungenschaft ist diese Batterie, die durch eine Solarplatte auf unserem Dach aufgeladen wird. Alle Zimmer (bis auf meins 😀 )werden jetzt mit Solarlicht beleuchtet, also bin nurnoch ich die Person die mit Stirnlampe im Zimmer rumläuft wenn (wie nicht selten) der Strom mal wieder versagt. Außerdem liegt hier jetzt immer eine Ansammlung Handys von irgendwelchen Nachbarn zum laden. Übrigens auch mal spannende Schreibweise des Namens „Violet“ 😀
Dauert gern mal zwei Stunden das waschen… Es ist trotzdem immer unterhaltsam wenn welche zum reden da sind 🙂 Abdul wollte auch mal ran 😀
Im Jugendzentrum

Als Kontrastprogramm zu unter-der-Woche hatte ich die letzten Wochenenden immer verplant. Ein Wochenende waren Alexandra und Theresia da und wir machten uns auf den Weg zum Irente-View-Point. Einem Aussichtspunkt mit atemberaubender Sicht auf das flache Land vor dem Usambara-Gebirge ganz in der Nähe von Lushoto. Mit dem Bodaboda hoch und zu Fuß wieder runter erwies sich als eine super angenehme Kombi und wir verbrachten einen schönen Tag hier im Gebirge und in Lushoto.

Auch kein seltener Anblick, dass einem eine Kuhherde entgegenkommt 😀 (optional auch mal Ziegen)

Das vorletzte Wochenende im Oktober verbrachte ich bei Theresia in Tanga. Zufälligerweise waren die Singida/ Iguguno Freiwilligen auch dort und einen Nachmittag trafen wir uns zusammen in der Bäckerei und machten ganz „deutsch“ ein kleines Kaffeekränzchen 😀 Ich muss sagen, ich vermisse Kaffee schon sehr! Montags begleitete ich Theresia zur Primary School, wo ich direkt mal als Vertretungslehrerin eingesetzt wurde. Ich kannte zwar weder die Schüler noch die Schule aber wie macht man Sechstklässler am leichtesten glücklich? Richtig. Fußball. Ein Ball war schnell aufgetrieben und wir spielten eine Stunde draußen auf dem Feld. Danach konnte ich mein Französisch noch ein wenig in der Stunde vom Französischlehrer auffrischen und der Schultag war auch schon wieder vorbei. Dienstag machte ich mich mit Pili (Sie arbeitet in der Dispensary) auf den Weg zu einer Freundin von einer Freundin Pilis um mir ein Henna malen zu lassen. Ich finde es immer wieder beeindruckend wie „vernetzt“ hier alles ist. Zwei Anrufe werden getätigt und schon sitze ich mit ihr in einer wildfremden Wohnung und nach zwei Stunden warten nehm ich auf dem Schemel vor einer zwar fremden aber sehr freundlichen Frau platz und sie malt geschickt auf meinem Arm rum.

Ein kleiner Einblick in den Stoffmarkt

Am folgenden Wochenende machte ich mich früh morgens mit dem Direktbus von Mbelei auf den Weg nach Moshi. Nach einer holprigen Fahrt die ungepflasterte Straße nach Soni runter, ging es entspannt durch bis nach Moshi, wo ich mich mit Alexandra und Paul traf. Wir liefen ein wenig durch die Stadt, aßen was kleines zu Mittag und machten (leider) noch Bekanntschaft mit den
Beauftragten für die Sauberkeit in Moshi. Für alle, die mal vorhaben nach Moshi zu gehen: Werft einfach nichts auf den Boden, auch wenn es noch so klein ist, die Kontrollieren es wirklich! 😀 Die
„Bestrafung“ ist wirklich nicht billig und zum finanziellen kommt noch hinzu, dass man von etwa 20 Mamas, die ihre Verkaufsstände vor dem Office angelegt haben, ausgelacht wird. Das kann man
dann (wohl oder übel) auch von der „Erlebt-in-Tansania“-Liste abhaken. Wir machten uns mit Daladala und Bodaboda auf den Weg in den kleinen Ort, wo die beiden wohnen. Da auch dieser am Gebirge liegt, sieht es ähnlich aus wie bei mir. Lediglich die Erde ist ein bisschen röter und es ist nicht ganz so inmitten der Berge aber auch ein weiteres sehr schönes Fleckchen Erde! Ich verbrachte mein verlängertes Wochenende in Pauls Gastfamilie, in der ich mich wirklich wohl fühlte. Wir schauten uns die Umgebung an und sind zu einem alten Funkzentrum auf den Berg gelaufen, von wo aus man eine weite Sicht auf die Gegend hat, außerdem waren wir abends was im Shop von Pauls Mama trinken oder haben mit seiner Gastschwester Kresha gespielt. Montags war ich dann mit in der Secondary School und konnte einen kleinen Einblick vom Ablauf dort
gewinnen. Hat mich wirklich sehr an meine Secondary hier erinnert… vor allem was den Unterrichtsablauf angeht 😀 Wir waren zwar rechtzeitig zur ersten Stunde da, nur leider hatten die Schüler, wie man uns mitteilte, grade Reinigung und machen die Schule sauber. Wir sollen warten. Das Warten überdauerte dann beide von Pauls Stunden und somit war der Unterricht morgens dann
auch erledigt. Wir holten uns ein paar Mandazis (die sie dort mit Pilipili-Sauce essen) und setzten uns auf die Wiese vor der Schule, von hier hat man auch eine wirklich weite Sicht ins Flache. Das
Wochenende war mal wieder schnell vorbei und Dienstags hieß es für mich schon wieder ab nach Hause.

Klare Sicht auf die Spitze des Kilimanjaro

Zum Thema Partymarathon. Den haben Theresia und ich nämlich jetzt hinter uns. Theresia kam letzten Freitag und blieb bis Mittwoch. Kurzfassung: Sonntag von 11 bis 15 Uhr Kirche (die
eigentlich schon um 9 Uhr angefangen hat), Montag von 9 bis 18 Uhr Konfirmationsfeier von Nelly (wobei die eigentliche Feier grade mal knapp zwei Stunden ging), Dienstag 12 bis 18 Uhr
Konfirmationsfeier bei Mama Glory (ich weiß leider bis heute nicht wie der „Befeierte“ hieß… vielleicht liegt es ja daran, dass ich sämtliches Gehör bei der viel zu lauten Musik dort verloren
habe 😀 ) und Mittwoch ein letztes Mal Johnis Feier von 12 bis 17 Uhr (die oben erwähnte halbe Feier erlebte ich noch auf meinem Rückweg von Johnis Feier, zu der Glory und ich kurzfristig noch
gingen… hier kennt wirklich jeder jeden 🙂 ) Die Feiern sind nicht wirklich vergleichbar zu solchen, die ich aus Deutschland kenne und ich bin wirklich sehr dankbar, dass ich die Möglichkeit habe auch so etwas mal mitzubekommen! Es ist echt schwer eine solche Feier in Worte zu fassen und
viele Traditionen lassen mich selbst noch im Dunkeln stehen aber Bilder sagen bekanntlich viel…

Ein Meer an bunten Farben: Die Kirchliche Feier

Die Vorbereitungen für das Essen fanden meist unmittelbar neben der Feier auf improvisierten „Herden“ statt. In den riesen Töpfen köchelt Pilau und Reis, der nach der Feier gegessen wird. (Mit den Händen natürlich 🙂 )
Wie bei vielen Feiern muss der „Befeierte“ seine Gäste und umgekehrt mit kleinen Kuchenstücken füttern.

Noch ein kurzes Update bezüglich dem Workpermit. Diese Woche sollten diese scheinbar endlich die in Daressalam abgeholt werden und es kann endlich mit dem Beantragen vom Residentpermit losgehen. Das heißt, dass ich auch zeitnah meine Quittung dafür in der Hand halten sollte und damit endlich wieder loslegen kann. Ich freu mich!! Eine sehr ernüchternde Nachricht errichte uns jedoch Anfang der Woche… Irene, die sich um das alles kümmert, benachrichtigte uns, dass seit etwa einer Woche eine neue Regelung bezüglich des Workpermits eingetreten ist. Diese besagt, dass Freiwillige einer
christlichen Organisation, wie Kolping eine ist, ihr Workpermit nicht mehr bezahlen müssen sondern nur ein schreiben eines Bischofs brauchen. Wir sind alle enttäuscht und verärgert… 500
Dollar praktisch umsonst ausgegeben zu haben ist sehr ärgerlich. Es wird zwar versucht jetzt im Nachhinein etwas zurück zu bekommen, es sieht aber eher schlecht aus. Naja das Positive ist jetzt
wenigstens, dass die Sache für die Zufunkft endlich mal geklärt ist. (Sollte sich nicht mal wieder kurzfristig und im Unwissen aller was ändern 😉 )
So.. das wars vorerst von mir und ich melde mich bald wieder!

8 Replies to “Von Visaproblemen und tansanischen Partymarathons”

  1. Hallo Marie,
    mal wieder sehr beeindruckend Dein Bericht. Ich bin nach wie vor fasziniert davon, wie Du das Erlebte alles hinnimmst und eigentlich immer noch positiv sehen kannst. Damit meine ich, dass Du immer noch nicht
    Deine eigentliche Mission erfüllen kannst wie Du es vor hattest.
    Aber es ist auch auch schön zu hören, dass es Dir trotz allen Widrigkeiten gefällt und Du die Hoffnung nichtr aufgibst, Deine Hilfe zu erbringen.
    Was mich unter anderem natürlich total faziniert ist der Stoffmarkt, also das Bild, das hier dabei ist und man sieht ja auch, was die Frauen und mittlerweile auch Du hier so tragen.
    Ich glaube, dass ich von Sheila, Andre, Mama und Papa im Frühjahr die Rucksäcke oder was sie auch immer als Reisegepäck benutzen werden erst mal wieder ausräumen muss, damit sie wirklich nur das notwendigsgte drin haben und für mich genügend Stoffe kaufen und mitbringen können.
    Sei ganz lieb gegrüßt von mir
    Evi

    • Hallo liebe Evi!
      Ich freue mich immer ein Kommentar von dir zu lesen 🙂
      Ja.. Sachen hinnehmen da musste ich mich wohl oder übel dran gewöhnen, nicht nur beim „aufs Visum warten“ auch ständig im ALttag muss ich viel mal ganz anders oder halt gar nicht machen. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass ich hier so viel gelernt habe von den Menschen, vom Land allgemein und auch mal ganz allein auf mich gestellt zu sein sein. Aber ich fühle mich wirklich sehr wohl hier!
      Als ich das Bild ausgewählt habe musste ich tatsächlich an dich denken.. irgendwie findet sich bestimmt ein Weg, dass eines der Stöffchen es zu dir schafft :p
      Liebste Grüße in die Heimat.

  2. ich bin irgendwie direkt neidisch auf deine sicherlich manchmal unerwarteten aber in summe (vielleicht manche später erst) superinteresanten erlebnisse und wünsche dir weiterhin gutes gelingen

    • Hi Thomas!
      Vielen Dank dir 🙂 Ich werde sicher weiter berichten 😉
      Grüßchen, Marie

  3. Liebe Marie,
    Heute waren deine Eltern zu Besuch und natürlich waren bei den vielen Gesprächen (wir hatten uns schon länger nicht mehr gehört und gesehen)auch dein Aufenthalt in Tansania Thema. Voller Bewunderung und großem Respekt verfolgen wir deine zeit in einer völlig anderen Umgebung. Das andere Essen, die Fülle der Farben, ein für uns unvorstellbares zeitgefühl……David vermisst bei deinen Bildern das Fleisch auf dem Teller und findet dafür die kochstelle fantastisch. Babette findet wäschewaschen am Fluss nicht auszuhalten, dafür die vielen Kontakte super. Wir denken ganz oft an dich, an die Erfahrungen die du machst und die mit dir etwas machen werden. Zum Glück hattest du ja vorher schon Hühner Erfahrungen ;)gesammelt. Liebe grüsse

    • Hallo ihr!
      So schön von euch zu hören! 🙂 Schön, dass der Blog gut ankommt und alle einen kleinen Eindruck von meinem Leben hier bekommen können. Das mit dem Fleisch kommt immer drauf an 😀 Ich würde mal schätzen, dass ich hier so einmal die Woche Fleisch (was dann meistens in einer Sauce gekocht ist) esse und jeden zweiten Tag Fisch (leider den getrockneten, den ich nicht so mag und selten frischen 🙁 ) also wenn man wie ich in einer solchen Familie lebt und jeden Tag Fleisch erwartet wäre man echt an der falschen Adresse 😀 Was es zu essen gibt kommt hängt aber sehr von der Familie ab… Wie sie lebt, ob sie ein Hausmädchen haben, die alles vorbereitet… Und ja, ich finde die Kochstellen hier auch immer toll 🙂 Babette, ich kann dich beruhigen. An den Fluss muss ich zum Glück nicht zum Waschen, sondern das Wasser wird in Eimern von der nächsten Wasserstelle (etwa 5 Minuten zu Fuß weg) geholt und ich kann am Haus waschen. Zur Zeit haben wir leider ein bisschen Wasserknappheit hier oben, sprich unser Wasserhahn hinter dem Haus geht nicht. So muss sämtliches Wasser zum trinken, kochen, duschen… von der besagten Wasserstelle geholt werden. Und ja, immer wenn ich die ganzen Hühner hier rumrennen sehe (oder wenn sie mich ab Nacht um 3 ständig wecken) muss ich an euch denken!
      Allerliebste Grüße ins Kalte und eine wunderbare Vorweihnachtszeit! (Die arme Miffy würde jetzt bestimmt gerne drinnen am Kamin liegen 🐱)

  4. Hallo Marie,
    wie schön von Dir zu lesen! Und wie schön, dass Du gut zurecht kommst!
    Ich habe da eine Bitte: könnten wir möglichst viele Bilder mit bunten Stoffen zu sehen bekommen? Das ist soooo schön!
    Was ich auch gerne wissen würde: wird der Stoff eigentlich im Land produziert? Und wenn ja: ist das eine Art Industrie und wichtig für das Land? Naja, ich kann ja auch selbst mal danach suchen, aber vielleicht kann Dir ja auch jemand was erzählen…
    Freue mich jedenfalls jetzt schon auf weitere Berichte..
    Liebe Grüße, heute mal aus einem völlig verregnetenVancouver..

    • Hallöchen Sabine!
      Jaa ich bin jedes mal wieder begeistert von den farbenfrohen Stoffen! Ich werde weiter Fotos knipsen 😉 Ein Teil wird auf alle Fälle hier produziert. Ich habe nämlich grade meine zwei Stoffe, die hier noch rumliegen, rausgekramt und am Saum steht bei einem der Produktions Ort (Morogoro Tanzania) aber beim anderen nur die Firma. Es gibt auch viele Unterschiede bezüglich der Qualität der Stoffe. Ich werde mich auf alle Fälle mal erkundigen wie wichtig und verbreitet die Stoffindustrie hier ist und bescheid geben 🙂 Ganz liebe Grüße zurück und fühl dich gedrückt!